{"id":7445,"date":"2016-12-31T19:00:33","date_gmt":"2016-12-31T18:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nedsblog.de\/?p=7445"},"modified":"2016-12-31T15:55:00","modified_gmt":"2016-12-31T14:55:00","slug":"tagebuch-31-12-2016","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.nedsblog.de\/?p=7445","title":{"rendered":"Tagebuch, 31.12.2016"},"content":{"rendered":"<p>Der Versuch eines Jahresr\u00fcckblickes.<\/p>\n<p>2016 war ein recht normales Jahr. Mein Job blieb und bleibt mein Job, der Alltag ist Alltag, in meinem Alter \u00e4ndert sich da nicht viel. Alles, was dicht um mich herum ist, ver\u00e4ndert sich nicht mehr all zu viel. Das klingt \u00f6de, ist so aber gar nicht gemeint. Jedes Jahr was anderes war fr\u00fcher mal, Kontinuit\u00e4t ist auch ein Segen, nicht nur ein Fluch!<\/p>\n<p><em><strong>Fu\u00dfball<\/strong><\/em><br \/>\nSeit diesem Sommer habe ich kein Sky mehr, was zur Folge hat, dass ich so gut wie kein Profifu\u00dfball sehen konnte. Wenn ich dann mal reingeschaut habe, dann habe ich oft Fu\u00dfball gesehen, der zerst\u00f6ren und Tore verhindern wollte. Das ist v\u00f6llig legitim, da jeder Club in der jeweiligen Liga bleiben MUSS da sonst das finanzielle Konstrukt komplett zusammen bricht. Die paar Ausnahmen (Freiburg vielleicht, jetzt wird es schon schwer) sind dann aber auch in der Regel nicht in den Top 7 zu finden. Die langfristige Entwicklung einer Mannschaft ist entweder mit externem Geld (Leipzig, Berlin) oder mit guter Arbeit und der Bereitschaft es wirklich langsam anzugehen (K\u00f6ln, Gladbach) m\u00f6glich. Der Rest hat genug Geld und kann es sich dadurch leisten einen Spielstil zu entwickeln. Sch\u00f6n anzusehen ist der Fu\u00dfball damit in der Regel nicht. Und wenn man es nicht mit einer Mannschaft h\u00e4lt (der Besten ist es egal, wie der Effzeh spielt, Hauptsache er gewinnt), dann kann man sich Darmstadt gegen Ingolstadt einfach nicht anschauen. Wirklich nicht.<br \/>\nDamit meine ich nicht, dass fr\u00fcher alles besser war (glaubt mir, ich habe HSV gegen Bayer Uerdingen spielen sehen, ich wei\u00df was schlechter Fu\u00dfball ist) sondern einfach, dass der Profifu\u00dfball einfach nicht mehr meines ist. Es ist so laut, so viel TamTam um unwichtige Spiele, zu viel Geld drin. Daher ist es eben nicht mehr meins. F\u00fcr andere passt es immer noch, ich merke aber, dass um mich herum sich immer mehr Fans davon entfernen. Es werden aber andere nachkommen, was v\u00f6llig normal ist. Was meint ihr, wie die alten Kutten \u00fcber mich gedacht haben, als ich pl\u00f6tzlich regelm\u00e4ssig ins Stadion gegangen bin. Und ein romantisches Zur\u00fcck gibt es nicht, will aber ehrlich auch keiner.<\/p>\n<p>Mein Fu\u00dfball findet in diversen Ligen unter dem Profifu\u00dfball statt. Beim HFC Falke.<br \/>\nIch habe dieses Jahr einen Meisterschaft und einen Aufstieg gefeiert, die erste Niederlage verdauen m\u00fcssen, aber vor allem habe ich einen Verein gefunden, in dem ich mich einbringen kann. Ich habe kein Amt angenommen, weil ich daf\u00fcr einfach zu wenig Zeit habe, aber ich habe an vielen Heimspieltagen mitgeholfen, angepackt. Ich habe meine Meinung zu diversen Themen ge\u00e4u\u00dfert und bin daf\u00fcr nicht angefeindet oder ausgegrenzt worden, auch wenn sie nicht den Mainstream traf. Das war sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Falke hat mir neben vielen tollen Menschen und Momenten vor allem eines gebracht: Ich fiebere wieder bei einem Fu\u00dfballspiel mit. Ich zittere bei einer knappen F\u00fchrung, hoffe bei einem knappen R\u00fcckstand und glaube tats\u00e4chlich daran, das die Truppe gegen einen Oberligisten bestehen kann. <\/p>\n<p>Das f\u00fchlt sich richtig richtig gut an!<br \/>\n(Und hier noch mal: Der Fu\u00dfball ist nicht sch\u00f6ner, besser als in den Profiligen. Im Gegenteil. Aber ich bin emeotional verbunden. Das einzige was f\u00fcr mich beim Fu\u00dfball z\u00e4hlt).<\/p>\n<p><em><strong>Gelesen<\/strong><\/em><br \/>\nNichts. Wirklich nicht. Es ist traurig, ich kann mich nicht mal daran erinnern, welches Buch ich als letztes gelesen habe. Was mit Vampirzombies und es hat mir gefallen. Irgendwann habe ich aber eine falsche Abbiegung genommen und nicht zur\u00fcck zu B\u00fcchern gefunden. Ich lese auch keine Zeitschriften oder Zeitungen. Irgendwie steht da nichts drin, was mich fesselt. Vielleicht sollte ich mal langsam anfangen und Sonntags die Zeit lesen. Mal wieder einen Spiegel kaufen. Die S\u00fcddeutsche habe ich fr\u00fcher gerne gelesen.<br \/>\nWichtig ist mir aber, dass mir keine Meinung, sondern Fakten transportiert werden. Das ist gerade auch in 2016 verloren gegangen. Postfaktisch als Wort des Jahres passt irgend dazu.<\/p>\n<p>Geh\u00f6rt habe ich viel. Podcasts \u00fcber die Bundesliga, \u00fcber Baseball, \u00fcber so allgemeines und vieles mehr. Ich wurde dadurch sehr gut unterhalten, meine t\u00e4gliche Strecke zur Arbeit wird so gut \u00fcberbr\u00fcckt und ich bin so gut wie lange nicht informiert \u00fcber zum Beispiel die Bundesliga. <\/p>\n<p>Aber mehr lesen sollte ich. Die Beste hat ein Transparent Abo abgeschlossen. Ich werde da immer mal wieder reinlesen, obwohl ich den 50+1 Artikel nicht \u00fcberzeugend fand. Warum? F\u00fchrt zu weit. Ich w\u00fcrde gerne mal eine Diskussion \u00fcber die Vor- und Nachteile von 50+1 sowie die Ausgliederung im Fu\u00dfball f\u00fchren. Das ist aber auf sachlicher Ebene nicht m\u00f6glich. Habe ich damals schmerzhaft zu sp\u00fcren bekommen.<\/p>\n<p>So, wie bin ich bei diesem Umweg gelandet? Achja, Fu\u00dfball. Ist mit mir so einfach auch nicht m\u00f6glich, der naive Blick ist mir verloren gegangen. Tut mir leid, einfach nicht ansprechen ;-)<\/p>\n<p><em><strong>Politik<\/strong><\/em><br \/>\nPuh. AfD.<br \/>\nDamals, vor langer langer Zeit, sagte mir mein Vater mal, dass die Demokratie mit einer rechten Partei (es war die DVU meine ich. Oder die Republikaner?) umgehen k\u00f6nnen muss, dass es eben dazu geh\u00f6rt und sich sowieso politisch erledigen wird, wenn es in das Tagesgesch\u00e4ft geht. Und so war es auch. Die DVU ist genauso verschwunden wie auch die Republikaner. So ging es damals mit der STATT Partei, mit Schill, etc. pp. Solche Protestparteien gab es schon immer, als Hamburger wei\u00df ich das.<br \/>\nNur woher kommen die Stimmen der AfD? So kontinuierlich?<br \/>\nIch habe keine Ahnung, habe aber das Gef\u00fchl, dass es auch was mit mir zu tun hat. Wo habe ich diese Leute verloren? Wenn Fakten nicht z\u00e4hlen, wenn nur noch in der eigenen Filterblase ein Meinungsecho verst\u00e4rkt wird. Auf allen Seiten. Die eine Seite glaubt der anderen nicht. Es wird nicht diskutiert, sondern seine Meinung in den Raum geworfen. <\/p>\n<p>Ich habe Schuld mit meinem gut bezahltem Job, einer tollen Wohnung und einer Umgebung, in der ich selber keine Angst vor der Zukunft haben mu\u00df. Ich habe Schuld, weil ich nicht auf die Leute zu gehen und versuche die \u00c4ngste und Probleme der Menschen zu verstehen. Ich sitze in meinem Elfenbeinturm des \u00dcberflusses. Ich tue nichts um die Toleranz, die mir im Elternhaus beigebracht wurde, weiter zu geben, den Menschen zu erkl\u00e4ren, dass ihre \u00c4ngste real sind, aber niemals ein Fl\u00fcchtling, ein Homosexueller oder gar &#8222;der Jude&#8220; daran Schuld ist. Ich engagiere mich nicht mehr in einer Partei (bin zum Jahresanfang bei der SPD ausgetreten) um meine Vorstellung von Menschlichkeit auch dorthin zu tragen, wo das eine Nebensache ist. Was also tun? Ich glaube belehren ist das schlechteste. Verstehen w\u00e4re was. Es ist aber super schwer. <\/p>\n<p>Eine Grenze gilt es aber nicht zu \u00fcberschreiten: Fremdenfeindlichkeit, Antizionismus, Sexismus, all dies ist keine Grundlage f\u00fcr irgendwas. Soweit will ich dann nicht verstehen. Danach gibt es aber viel Spielraum.<\/p>\n<p>Nach Brexit und Trump bin ich sehr gespannt, wohin sich das alles entwickeln wird. Angst habe ich nicht. \u00c4ngstlich bin ich schon. Was passiert, wenn Sexismus (grab her by the pussy) noch mehr salonf\u00e4hig bleibt und wird? Was ist, wenn Nationalismus wieder Oberhand gewinnt, wenn Xenophobie die antreibende Kraft ist? Stehe ich dann eventuell von meinem gem\u00fctlichem Sofa auf und tue was dagegen? Ich wei\u00df es nicht.<\/p>\n<p>Und wie erkl\u00e4re ich das alles der Juniorette?<\/p>\n<p><em><strong>Privat<\/strong><\/em><br \/>\n2016 war alles in allem ein tolles Jahr. Die Beste ist zu mir nach Hamburg gezogen, sie hat Ja gesagt. Was will ich mehr?<br \/>\nDie Juniorette entwickelt sich pr\u00e4chtig, ist gesund und neugierig.<\/p>\n<p>In der Familie ist niemand gestorben, nur \u00e4lter geworden. Schei\u00dfarschlochkrebs hat kein Opfer gefordert, auch wenn der Kampf sehr hart war bzw. ist.<\/p>\n<p>Im Urlaub war ich aufgrund des Umzuges dieses Jahr nicht. Schade, ich wollte eigentlich jedes Jahr ein neues Baseballstadion besuchen. Aber das macht nichts, ich wohne mit der Besten zusammen. Ehrlich, klingt kitschig, aber mehr brauche ich nicht.<\/p>\n<p>Mein eigenes Seelenleben war so weit in Ordnung. Meiner Meinung nach hatte ich keinen starken Anfall von Depressionen. Sie lauert aber, ist hinterh\u00e4ltig und vor allem tarnt sie sich gut. Irgendwann, irgendwann, muss ich wohl mal wieder zu einem Profi um rauszufinden, wie ich die dunklen Gedanken weg bekomme.<br \/>\nK\u00f6rperlich habe ich keinen Schritt nach vorne gemacht. Meine Lunge pfeift, als ob ich noch rauchen w\u00fcrde (24 Jahre Zigaretten hinterlassen eine Spur, keine Frage), mein R\u00fccken ist komplett hin. Sonst ist aber alles gut soweit. Mehr bewegen h\u00e4tte ich mich k\u00f6nnen, da muss ich noch was machen. Wenn ich mich so zur\u00fcck erinnere, dann habe ich vielleicht 5 Mal an eine Zigarette gedacht, bin 2016 aber rauchfrei geblieben. Darauf bin ich tats\u00e4chlich sehr stolz.<\/p>\n<p>Mit dem HFC Falke habe ich nicht nur eine fussballerische, sondern auch eine emotionale Heimat gefunden. Die Menschen, die ich dort immer wieder treffe, wissen gar nicht, wie viel sie mir bedeuten. <\/p>\n<p>Zusammgefasst sind die guten Erinnerungen mehr und zahlreicher, als die schlechten. Ich habe so viele tolle Menschen jeden Tag um mich herum, was will ich mehr? Ich habe eine tolle Familie, eine bezaubernde Tochter, eine Verlobte, die mich liebt so wie ich bin, ein Dach \u00fcber dem Kopf und viele tolle Freunde.<\/p>\n<p>Danke euch! Ihr tut mir sehr gut und ich hoffe ich kann euch das immer genug zeigen. <\/p>\n<p>Danke 2016. Es gab viel zu viel schlechtes, aber das Gute, die Liebe, \u00fcberwiegt. So wie immer.<\/p>\n<p>In diesem Sinne.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Versuch eines Jahresr\u00fcckblickes. 2016 war ein recht normales Jahr. Mein Job blieb und bleibt mein Job, der Alltag ist Alltag, in meinem Alter \u00e4ndert sich da nicht viel. Alles, was dicht um mich herum ist, ver\u00e4ndert sich nicht mehr all zu viel. Das klingt \u00f6de, ist so aber gar nicht gemeint. 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