NedsBlog

Meine Sicht der Dinge

Alles neu macht der Mai.

Der neue Trainer ist da.

Armin Veh wird neuer Trainer beim HSV. Es ist kein Gerücht, es steht offiziell auf hsv.de

Armin Veh ist schon lange im Geschäft, seit 1990 Trainer. Ein Neuling, ein Novize, ein Rookie ist er also nicht. Seine Stationen waren Augsburg, Greuther Fürth, Reutlingen, Rostock, nochmal Augsburg, Stuttgart und dann am Ende Wolfsburg. 7 Stationen. Aber ganze 6 mal endete das Vertragsverhältnis vorzeitig.

Seine Erfolge können sich jeweils sehen lassen:

  • Aufstieg in die Regionalliga mit Augsburg
  • Aufstieg in die zweite Liga mit Greuther Fürth und mit SSV Reutlingen
  • Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart

Warum aber jubel ich nicht bei der Verpflichtung?
Es liegt zum einen an seinem Nach-Meisterjahr in Stuttgart. Er schaffte es nicht, die Mannschaft ein weiteres Jahr zu motivieren, die Spieler so einzustellen, in der Bundesliga oben mitzuspielen. Zum anderen liegt es an dem Nach-Meisterjahr in Wolfsburg. Er wußte worauf er sich einlässt, er hatte eine ähnliche Situation ja in Stuttgart bereits erlebt: Eine Mannschaft die überraschend Meister geworden ist hat es in der neuen Saison sehr schwer. Und als neuer Trainer ist er ein großes Risiko eingegangen. Woran ist er in Wolfsburg gescheitert? Ich habe noch im Kopf, daß er den Magathfußball umstellen wollte. Er wollte eine anderes System einstellen, sein System, mit dem Material des Vorgängers. Das kann gut gehen, wenn das System ähnlich dem des Vorgängers ist. In Wolfsburg ist das schief gegangen, weil die Spieler eben für sein Kurzpassspiel nicht geeignet waren. Was muß ein Trainer in dem Fall machen? Im besten Fall ändert er sein System, damit er das vorhandene Spielermaterial bestmöglich einsetzen kann, um dann in der neuen Saison das Spielermaterial an sein System anzupassen.

Das hat Veh nicht getan. Er ist also auch ein wenig an sich gescheitert. Zweimal ist er also in seinen letzten zwei Stationen gescheitert. In Stuttgart ist übrigens Veh Heldt weiterhin Sportchef. Haben beide nicht zusammen im Verein angefangen? Ist also der Sportchef an der Situation gewachsen und der Trainer eben nicht? Konnte der Trainer nicht mehr mit dem Sportchef? In Wolfsburg hatte Veh keinen Sportchef, am Anfang, als einer da war, wurde er entlassen. Also Veh, nicht der Sportchef. In Hamburg trifft er auf einen starken Vorstandschef, einen schwachen, weil neuen, Sportchef und einen Urs Siegenthaler, den ich in dem Machtgefüge schwer einordnen kann. Für mich hört sich das nach vielen unterschiedlichen Stimmen an. Hoffen wir mal, daß die alle unter einen Hut zu kriegen sind.

Die Entscheidung hat mich erstmal geschockt. Einen bei Wolfsburg gescheiterter Trainer kann uns genau wie helfen? Aber was erwarten wir denn, wir spielen nicht international nächstes Jahr, die hochkarätigen Trainer werden nicht gerade Schlange stehen. Armin Veh ist Deutscher Meister geworden. Mit einem Team, daß zu dem Zeitpunkt keiner auf der Rechnung hatte. Aber Stuttgart in der Meistersaison ist in meiner Erinnerung eher ein Meister des Willens, denn des Spiels gewesen. Das mag positiv sein, ich möchte aber eher einen Trainer, der eine Idee hat, wie er Fußball spielen möchte.

Ich bin gespannt, leicht negativ voreingestimmt. Aber nach Labbadia kann es einfach nur besser werden. Irgendwie. Hoffen wir einfach, daß er dazu gelernt hat (Mist, das habe ich bei Labbadia auch gesagt), daß er sich von außen (Siegenthaler/Oenning/Reinhardt) beraten läßt.

Ich habe sie alle überlebt, auch Kurt Jara. Ich werde auch Veh akzeptieren und ihm eine Chance geben. Er ist erfahren genug zu wissen, auf was er sich einlässt. Es sind noch 81 Tage bis zum ersten Pflichtspiel (Beginn erste Runde DFB Pokal, wir sind dieses Jahr wieder gemeldet!), der neue Trainer kann also eine Mannschaft zusammenstellen, die seinem System am besten entspricht. Das ist etwas sehr positives.

Michael Oenning scheint neuer Co-Trainer zu werden. Das wiederrum finde ich eine gute Nachricht, Oenning stand in Nürnberg für das Bauen auf die eigene Jugend. Der fehlende Erfolg ließ ihm aber dafür nicht die Zeit. Ein Gespann Siegenthaler/Oenning/Veh kann ich mir sehr gut vorstellen.

Der neue Vorstand ist da.

Bastian Reinhardt wurde vom Aufsichtsrat in den Vorstand berufen. Das freut mich für ihn. Ihn meinen Saisonrückblick habe ich gesagt, daß ich mich freuen würde, wenn Basti dem Verein erhalten bleibt.

Aber mal im Ernst: Als Gegenpart zu Bernd Hoffmann? Nicht im Ernst. Als Verhandlungspartner mit dem Agenten von Affelay? Hum, als Anfänger ist das bestimmt nicht einfach. Ich wollte eine gestandene Persönlichkeit und keinen, entschuldige bitte Basti, Praktikanten. Vom Innenverteidiger zum Sportvorstand, das ist eine sehr steile Karriere. Gut, er hat einen Partner mit Urs Siegenthaler, der all die Erfahrung mitbringt, die ihm fehlt. Aber könnt ihr euch Basti Reinhardt vorstellen, der mit dem Trainer (Bruno Labbadia) und dem Mannschaftsrat (Rost, Mathijsen, Jarolim, Benjamin) den Streit um den Kinobesuch schlichtet? Der dem Trainer auch mal zum Rapport bittet, wenn die Ergebnisse nicht stimmen? Also Puffer zwischen Vorstandschef und Trainer kann er aufgrund seiner körperlichen Statur sicherlich dienen. Basti, nimm mir das jetzt bitte nicht übel, aber dann hätte ich lieber Fummer im Vorstand gesehen. Du hättest doch der Assistent werden könne um das Geschäft zu lernen.

Das Bild vom Vorstand und vom Aufsichtsrat ist in den letzten Tagen desaströs. Hoogma sollte es werden, dann war er zu teuer. Barbarez sollte es nicht werden, zu unerfahren. Als Ergebnis wird uns jetzt ein beliebter Spieler vorgesetzt. Das sieht mir alles nicht durchdacht aus. Hoffmann hat bei der Entscheidung um den Trainer vorher mit genau wem gesprochen? Was hätte ihm Basti Reinhardt auch dazu sagen können

Was bleibt also?

Ein neuer Trainer, ein neuer Vorstand. Lange bevor die Saison beginnt. Unser Scout ist in Südafrika, kann also viele neue Spieler beobachten. Er hat jetzt auch Ansprechpartner, ob der Spieler ins System passt und kann dann den Agenten mit den Sportchef verbinden. Also sind die Positionen besetzt, nun können die Transfers rollen.

Ich bin sehr gespannt, wie die unterschiedlichen Typen (Hoffmann, Reinhardt, Siegenthaler, Veh) miteinander auskommen werden. Im besten Fall klappt es sehr gut, weil alle professionell arbeiten. Aber glaube ich an diesen besten Fall? Im Moment ist in dieser Kombination viel Streitpotential, vieles scheint mir sehr ungeklärt. Die Zuständigkeiten sind mir nicht klar genug definiert. Mir ist ein wenig Bange bei dem Gedanken.

In diesem Sinne: Nur der HSV!

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13 Kommentare

  1. Wir sind uns wieder mal einig. Wie sagtest Du so schön? Unsere Herzen haben Rautenform!

    Aber was Vehs Nach-Meisterschafts-Scheitern in Stuttgart und Wolfsburg betrifft, hätte ich eine einfache Lösung: Er macht uns um Meister und tritt danach einfach ab… Deal? ;-)

  2. Jeder spricht von Urs als erfahrenem Mann. Doch der hat gescoutet, hauptsächlich!

  3. @pleitegeiger
    gmta *g*
    Deinen Deal nehme ich sofort!

    @Beatsox
    Das ist doch gut so. Er will ja das Vorstandsgeschäft nicht übernehmen, kann also seine Stärken ausspielen.

  4. @nedfuller
    Natürlich. Aber es läuft damit also doch auf Reinhardt als starken Mann in den Verhandlungen hinaus.
    Oder sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht?

  5. Wenn ich das aus seiner Kolumne richtig erinnere, war Basti mit im Kino ;-)

  6. Pingback: Nur der HSV! « Mein HSV-Blog: täglich grüßt das Murmeltier

  7. Mein erster Gedanke als ich gestern abend im Videotext (bin derzeit ohne Internet und nutze gerade meinen neuen Arbeits-PC) von der Verpflichtung Armin Vehs gelesen habe war mein erster Gedanke auch „Oh je, was wollen wir denn mit dem?“; allerdings habe ich mich über die Entscheidung Basti als Sportchef einzusetzen ebenfalls gefreut.

    Im Großen und Ganzen aber teile ich Deine gemischten, eher leicht negativen, Gefühle was die Situation vor der neuen Saison angeht. Eines scheint aber klar zu sein: wenn wir nächstes Jahr wieder mit leeren Händen darstehen, muß auch Hoffmann Platz für einen Nachfolger machen…

    PS: Neben Kurt Jara fällt mir immer eigentlich immer Egon Coordes als größte Trainergurke beim HSV ein.

  8. Der Vergleich zu Stuttgart und Wolfsburg hinkt meiner Meinung nach etwas: Ich kann mich nicht erinnern, das der HSV gerade Meister geworden ist oder eine überragende Saison gespielt hat.

    Wenn man es positiv sieht, findet Veh in Hamburg eher eine vergleichbare Situation vor wie damals in Stuttgart: Eine Mannschaft mit Potential, die aber völlig neben sich steht. Außerdem hat man ihm auch damals keine Chancen eingeräumt, langfristig Trainer beim VfB zu bleiben. 1,5 Jahre später war man Meister.

    Ob und welcher andere Trainer hätte uns denn noch helfen können? Ein Ausländer, der sich vielleicht erst an die Bundesliga gewöhnen muss? Oder einer der Kandidaten auf dem deutschen Trainermarkt?

    Von daher, auch in Anbetracht der bescheidenen HSV-Saison, ist Veh für mich die logische Lösung der Trainerfrage.

  9. @Beatsox
    In den Verhandlungen ja. Aber das ist dann auch in Ordnung, warum sollte er weich sein.

    @Carina
    Stimmt. Aber das geht jetzt ja nicht mehr.

    @DerTim
    Egon Coordes war auch ein Horror. Josip Skoblar kann ich da noch anbieten.
    Kein Internet? Gab es in Barmbek kein Internet mehr, weil ich alles aufgebraucht habe?

    @Max
    Ok, Meister sind wir nicht geworden. Aber wir haben eine Mannschaft mit schwierigen Charaktären.
    Ich habe mal im Freundeskreis gesagt, daß ich keinen Trainer weiß, den ich auf Anhieb nehmen würde. Ich hätte mir nach dem Fehlgriff Labbadia eher eine mutige Entscheidung, einen neuen Weg eingeschlagen. Das ist Veh eben nicht.

    Wir müssen uns wohl mit dem Trainer arrangieren. Eine Chance erhält er allemal von mir.

  10. Das hättest Du wohl gerne ;)

    Ich wohne vorübergehend in der bereits aufgelösten WG von einem Freund und sein Mitbewohner hat den Internetanschluß in seine neue Wohnung mitgenommen, weil er ihn beruflich benötigt.

    Ich selber suche gerade eine neue Bleibe für mich.

  11. Das eben Reinhardt als „Harter“ in den Verhandlungen momentan noch komisch rüberkommt, aufgrund seiner noch nicht lange zurückliegenden Mannschaftszugehörigkeit.

  12. Wer ist denn dieser Affelay, von dem alle immer reden? ;) oder meinst du etwa Afellay? :D

    Nebenbei: Wir brauchen keinen Widerpart zu Bernd Hoffmann, wir brauchen teamfähige Personen, die selbstkritisch genug sind, um kritische Frage auszuhalten. Und keine Beiersdorfer-Kopie.

  13. @Beatsox
    Ja es kommt schon „komisch“ rüber, aber ich denke er hat es selber gut beschrieben: Durch seine Verletzung lief er eher neben dem Mannschaftsgefüge her.
    @Julian
    Ja den ;-)
    Dein Einwand ist sehr gut, danke! Ja, wir brauchen einfach einen guten Sportvorstand. Ich hoffe Basti kann sich dazu entwickeln.