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Meine Sicht der Dinge

Projekt442

Zuerst ein Dankeschön an den Urheber des Projekts: @HerrEbehardt twitterte aus dem Frust über das vom Trainer Armin Veh bevorzugte 4-2-3-1 System heraus ein Bild mit seinem Projekt442.

Ich fand die Idee so gelungen, daß ich mir darüber ein paar Gedanken gemacht habe.

Das derzeitig vom Trainer favorisierte 4-2-3-1 System gefällt mir nicht. Es scheitert meiner Meinung nach vor allem daran, daß wir keinen Spieler haben der auf die mittlere Position im Mittelfeld paßt. Es wurden in 6 Spielen 4 Spieler in der folgendenden Reihenfolge ausprobiert: Petric, Guerrero, Trochowski, Aussetzer da 4-1-4-1 gespielt, Petric, Elia. Keiner der Spieler konnte auf der Position überzeugen. Die Statistik zeigt, daß auf der mittleren Position im dreier Mittelfeld die wenigsten Minuten im Schnitt gespielt werden. Also ist der Trainer in fast jedem Spiel mit dem gezeigten Leistungen nicht zufrieden.
Ich habe mal die Positionen im 4-2-3-1 durchnummeriert:

1 T
2 RV, 3 IV, 4 IV, 5 LV
6 DM, 7 DM
8 RM, 9 MM, 10 LM
11 S

T-Torwart, RV-Rechter Verteidiger, IV-Innenverteidiger, LV-Linker Verteidiger, DM-Defensives Mittelfeld, RM-Rechtes Mittelfeld, MM-Mitte Mittelfeld, LM-Linkes Mittelfeld, S-Sturm

Für jeden Spieltag trage ich die Statistiken von bundesliga.de zusammen und stelle diese in dem jeweiligen Spieltagsbeitrag dar. Ich habe mal die wichtigsten Zahlen pro Position zusammengefasst:

Pos-Position, Min-Minuten pro Spiel, BK-Ballkontakte, Pa-Pässe angekommen, Pg-Pässe gespielt, P%-Pässe angekommen in %, TS-Torschüsse, TSV-Torschußvorlagen, Tor-Tore, TorV-Torvorlagen, OF-Offensiv Faktor

Auffällig ist, daß die Position 9 (die besagte Mittelfeldposition im System) nur 75 Minuten im Schnitt gespielt hat. Das ist der geringste Schnitt von allen Positionen! Mit 269 Ballkontakten gabe es auf der Position die wenigsten im Mittelfeld. Es gab nur 4 Torschußvorlagen und nur 1 Tor und 1 Torvorlage.

In meinem bescheidenem kleinen Weltbild ist die Position verantwortlich für die Ballverteilung und den Aufbau des offensiven Spiels. Von dort aus werden die ersten Bälle aus der Abwehr oder dem defensiven Mittelfeld nach aussen oder auf den Stürmer verteilt. Er ist immer anspielbereit und hat einen Plan in der Tasche, was mit dem Spielzug anzufangen ist. Er hält auch einfach mal aufs Tor oder gibt entsprechende Vorlagen.

Das alles finde ich bisher in den Statistiken und auch auf dem Platz nicht. Kein Spieler konnte bisher meine Erwartungen erfüllen.

Was also tun?

Hier kommt das Projekt 442 ins Spiel. Unser Kader ist geradezu prädestiniert das System zu spielen. Ihr glaubt das nicht? Dann schaut her:

4-4-2 mit Raute

4-4-2 flach

Entwickelt hat sich die o.g. Grafik hier raus.

Warum kann das funktionieren?

Keine Ahnung, bin ich Trainer? Nein im ernst, ich glaube einfach, daß eine Änderung unseres derzeitigen Systems unumgänglich sein wird. Wir haben drei Topstürmer und zwei Nachwuchstalente im Kader. Nur einen davon im Spiel auf der Position des Stürmers ist fatal! Was weiterhin nicht funktioniert ist die Aufgabenteilung der beiden 6er. Selten habe ich erkennen können, daß klar ist, wer absichert und wer den Ball vorträgt. Die Außenspieler sind im 4-2-3-1 System ebenfalls falsch bestetzt. Habe ich Arjen Robben, Thomas Müller oder Frank Ribery im Kader, dann kann ich auch nur mit einer Spitze spielen, aber weder Pitroipa, Elia noch Jansen haben diese Qualitäten nicht. Dafür fehlt das in den Strafraum ziehen und den Abschluß suchen.

Anders meiner Meinung nach im 4-4-2 System:

  • Zwei Stürmer auf dem Platz auf der richtigen Position: Im Sturm
  • Ein 6er, der absichert
  • Ein ’10er‘ der die Bälle verteilt, das Spiel leitet
  • Aussenspieler die Flanken dürfen, weil Anspielstationen im Zentrum da sind

Anscheind denkt Trainer Armin Veh langsam um, es soll die ersten Gerüchte geben, daß wir gegen Kaiserslautern mit zwei Stürmern spielen werden. Hat er wohl hier geluschert und meinen Entwurf gelesen…

Klar, eine schlechte Abwehrleistung wird das neue System auch nicht verhindern können, aber vielleicht kommt die Ruhe in der Abwehr wieder, wenn wir die nächsten Spiele mit dem System spielen und die Spiele gewinnen.

Trotzdem werde ich das erste mal in meinem Leben ein Plakat mit ins Stadion nehmen. Auf dem werde ich

#projekt442

schreiben.

Ich glaube an das Projekt! Jetzt muß es nur noch der Trainer tun!

In diesem Sinne: Nur der HSV!

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15 Kommentare

  1. Jawoll! Deine Gedanken finde ich vernünftig. Hatte ja vorhin auch schon das #Projekt442 thematisiert.

    Also. Plakat mit, Veh auf uns hören lassen und Sieg!

  2. Ich finde zwar nicht, dass es voranging, oder gar zwingend der zentrale Spieler des 3er-Mittelfeldes in einem 4-2-3-1 System die Angriffe einleiten muss, allerdings muss diese Position eben – wie du ja auch eindeutig schreibst – mit einem Spieler besetzt sein, der aus sehr engem Raum heraus in der Lage ist, das Spiel auf eine andere Seite zu verlagern, einen Angriff in die Sturmspitze einzuleiten oder das Tempo zu variieren.

    Die eigentliche Angriffseröffnung, also das Spiel aus der Abwehr heraus dürfte dabei in der Regel an einem der beiden 6er hängenbleiben – er holt sich gewissermaßen den Ball vom IV ab und entscheidet wie der Angriff eingeleitet wird. Im Laufe eines Spielzuges müsste der Ball (wenn es nicht in einer konterähnliches Situation ein schnelles Überbrücken des Mittelfeldes gibt) über die zentrale Position laufen. Aus dieser Position heraus muss dann anders gespielt werden, als es die Spieler die Armin Veh bislang dort getestet hat tun/getan haben.

    Dieser Frust – gepaart mit dem Unverständnis und Frust darüber, dass unser Trainer bislang sehr stur an „seinem“ nicht funktionierenden System festzuhalten schien – haben mich dazu verleitet die oben eingebaute Skizze zu zeichnen und zur Diskussion via Twitter zu veröffnetlichen.

    Daraus abgeleitet ergab sich dann noch die Variante „Flache 4“, die auf den ersten Blick ein kompakteres Mittelfeld versprechen dürfte und dem System der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2006 sehr ähnelt. Damals spielten Frings und Ballack im zentralen Mittelfeld, wobei sich bei Ballbesitz stets einer der beiden (zumeist Ballack) in die Offensive einschaltete. Dies führt dann zurück zur Ausgangsvariante „Mittelfeldraute“. Sobald die beiden Außenmittelfeldspieler leicht einrücken wird ein Nachrücken der Außenverteidiger ermöglicht, so dass der Druck z. B. auf einen tief stehenden Gegner erhöht werden kann. Auch diese Fähigkeit stünde dem HSV – die Spiele gegen Nürnberg und auf dem Kiez sind noch im Gedächnis – gut zu Gesicht.

    Diese Worte nur kurz zur Entstehung des Projekts 4-4-2. Danke @nedfuller für die tolle Umsetzung und jetzt muss nur Armin noch mitziehen… ;-)

    Gruß, HerrEberhardt

  3. Grundsätzlich bin ich einverstanden. Aber haben wir nicht in der letzten Saison erlebt, dass zumindest die flache Vier im Mittelfeld oft genauso von Ideen- und Chancenarmut gezeichnet schien? Heimspiele gegen Gladbach, Bochum und Wolfsburg fallen mir da ein: Immer viel Ballbesitz gehabt, bis zum Strafraum, aber da war dann kein Durchkommen mehr. Konter, Tor für den Gegner.

    Was ich mir durchaus vorstellen könnte, wäre eben eine Raute – aber besteht dann nicht wieder das 10er-Problem? Oder löst sich das durch die zwei Stürmer (eine zentrale ANspielstation mehr) auf? Ich bin mir da noch nicht so sicher (einen Versuch wäre es allemal wert).

    Generell, mit Blick auf die eben genannten Spiele der letzten Saison und das Spiel gegen Nürnberg, fällt mir aber auch oft auf, dass die Herangehensweise, sprich die Spielidee ein mögliches weiteres Problem ist. Denn mit dem Ballbesitzfußball a la Bayern oder Barca (die gehen mir eh auf den Sack), der dauernd mit Vorankündigung dargeboten und höchstens zu Konterchancen für die Gegenmannschft führt, scheint nicht wirklich mit dieser Mannschaft zu funktionieren. Dafür haben wir aber mit Jansen und Pitroipa sowie Elia (wenn der nur sein Potential abrufen und nicht immer Formen auf den Rasen schnörkeln würde) schnelle Ausßen, die sich eher für ein klassiches Konterspiel eignen. Zur Erinnerung: Die so hoch gelobte DFB-Mannschaft hat eigentlich vor allem über die Konter ihr offensives Potential abgerufen, nicht über Ballbesitz

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich glaube nicht, dass ein System per se Schuld ist an bestimmten Phänomenen, die wir ständig ertragen müssen. Auch das Spielverständnis spielt eine große Rolle. Ich weiß nicht, ob ich meine Ideen jetzt adäquat rübergebracht habe (da beschleichen mich eher Zweifel), aber das finde ich bedenkenswert.Aber grundsätzlich bin ich mit Euch einer Meinung: Angesichts der Stürmer, die wir haben, ist 4231 eigentlich Quatsch. So.

  4. @Christoph Ich gebe dirrecht, dass man nicht über reinen Ballbesitzfußball gegen jeden Gegner zum Erfolg kommen kann. Dass unser Kader sich mMn für ein 4-4-2 (Flach oder Raute sei mal dahin gestellt) besser eignet, als für das Veh’sche 4-2-3-1 habe ich ja bereits bekundet. Um jedoch die Qualitäten von achneen Spielern besser nutzen zu können, kann es tatsächlich ganz interessant sein, mal zu schauen, was denn der Unterschied zwischen der Spielweise anderer Teams und des HSV ist.
    Wir – also der HSV – versuchen das Spiel möglichst kontrolliert aufzuziehen und haben dabei viel Ballbesitz. Unsere „Angriffe“ (ich nenne sie ab sofort mal Aktionen) beginnen idR am eigenen Tor oder zumindest in der eigenen Hälfte. Daraus folgt, dass wir in fast allen Fällen auf einen Gegner treffen, der bereits mit mindestens 8 Spielern „hinter dem Ball“ ist. Selbst wenn es gelingt, Spirler wie Elia oder Pitroipa einzusetzen, so dass sie ins Tempodribbling gehen können wird es oft so sein, dass ihnen zwei Gegenspieler gestaffelt entgegenstehen und es kein Durchkommen gibt. Dann ist häufig nur eine Flanke möglich, was bei einer Spitze wenig erfolgversprechend ist.
    Gelingt es aber, die eigenen Aktionen „plötzlich“ zu starten (etwa durch gezieltes Zum-Ball-Verschieben im Mittelfeld bei Ballbesitz des Gegners), so ist ein schnellerer Angriff möglich und die Sprintstärke eines Pitroipa kann besser genutzt werden. Dies ist aber – zugegeben – eine Überlegung die unabhängig von der Frage 4-2-3-1 oder 4-4-2 anzustellen ist.

    Dies nur noch ein paar Gedanken zu später Stunde. Ich hoffe es ist halbwegs nachvollziehbar ^^

    #projekt442

  5. Klasse Fleißarbeit einmal mehr.

    Aber: In der Raute habt ihr auch wieder einen Zehner. Einen Mann in der Mitte, der die Bälle verteilen soll.
    Wenn du das Zé zutraust, warum nicht erstmal das System dabei belassen und Zé in die Zentrale setzen?

  6. …ich weiß nicht, ob es nur am System liegt!

    Ich gebe auf jeden Fall zu bedenken. dass eine Umstellung auf 4-4-2 , ob „flach“ oder „Raute“ die Abwehr nicht umbedingt stärkt. Und die Abwehr steht jetzt schon nicht allzu gut mit 10 Gegentoren dar!

    Grundsätlich finde ich den HSV für ein 4-2-3-1 mit seine Spielern für die Außenbahen gut aufgestellt. Elia, Jansen, Pitroipa etc. haben alle tolle Qualitäten in der Offensive, so dass ich das System durchaus als offensiv empfinde.

    Da die genannten Spieler aber gerne mal die Arbeit nach hinten vernachlässigen – kann eine Systemumstellung auch nach hinten losgehen, wenn man nicht mehr 2 „Abräumer“ vor der Abwehr hat.

    Wenn sich am Einsatz nichts ändert – sprich einen verloren Ball nachgegangen wird und die Zweikämpfe angenommen werden – wird sich auch der Erfolg nicht einstellen. Und so lange muss man sich über das System eigentlich keine Gedanken machen.

    Ich bin der Meinung der HSV kann beide Systeme spielen – jedes hat seine Vor- und Nachteile. Gemeinsam haben sie aber, dass ich mit 75% Leistung in der Bundesliga, System hin oder her, auf die Mutze kriege!

    Gruß
    Carsten

  7. Ich weis nicht warum alle der Meinung sind der HSV hätte ein gutes Sturmduo.
    Ruud und Petric passt nicht, das hat man letzte Saison gesehen.
    Ruud und Guerrero, Guerrero ist zu oft verletzt.
    Bleibt Ruud, Choupo-Moting, das könnte vielleicht ein gutes Duo werden.

    Ausserdem wurden die Spiele nicht verloren bzw. nicht gewonnen, weil der Angriff zu schwach war, sondern weil der Angriff nicht alle Fehler im defensiv Verhalten ausbügeln konnte. Nürnberg 1:0 vorne, Bremen 2:2 nach 0.2, wieso wird nicht darüber diskutiert warum gegen Bremen 0:2 hinten liegt. Wolfsburg das Abwehrverhalten von Janssen vor dem 3:1, als Abwehrverhalten zu bezeichnen ist ein Witz. So langsam wünsche ich mir Huub zu zurück, welcher übrigens öfter 4-5-1 hat spielen lassen.

  8. Lese immer wieder Aogo hinten links. Der spielt auf Monate doch nicht mehr. Das Jansen kein (guter) linker Offensiver ist, haben alle letztes WOE gesehen. Mega Problem ist das Thema !

  9. Sehr schlüssige Argumentation, auch wenn ich beim HSV niemanden sehe, der in einer Raute den Zehner geben geben könnte. Daher sehe ich das Heil eher im flachen 4-4-2.

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  11. Ich fasse mal meine Antwort auf eure Kommentare (vielen Dank!) zusammen.
    10er
    Klar braucht man in der Raute einen zehner, den haben wir auch nicht. Allerdings traue ich das Zé Roberto und Kacar zu. Beide keine klassischen Spielmacher aber sicher mit dem Ball und Spielintelligenz haben beide.

    zwei 6er
    Klar ist das an sich sicherer. Aber das Zusammenspiel zwischen den derzeitig eingesetzten ist nicht ideal. Mir sieht das zu unabgestimmt aus. Und die von mir gewünschten 10er (Kacar, Zé Roberto) können beide auch nach hinten arbeiten, wenn es notwendig wird. Sollte also der Trainer merken, daß wir unsucher stehen, dann könnte er (Achtung Armin Veh, das geht auch im Spiel) das System ändern und auf 2 6er umstellen.

    Sturmduo
    Ich denke Petric/Guerrero und auch Choupo passen zu van Nistelrooy. van Nistelrooy sorgt für Unruhe und die Lücke kann der andere Stürmer nutzen. Im 442 brauchen sich eigentlich nur abwechseln. Das kann funktionieren meiner Meinung nach.

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