NedsBlog

Meine Sicht der Dinge

Vorschau mal anders

Am Samstag geht es gegen den Effzeh.

Eine Vorschau auf ein Spiel schreibe ich selten und das werde ich in diesem Fall auch nicht tun. Jedenfalls nicht hier.

Hier wird Axel einen Beitrag zum Spiel schreiben. Er fragte mich, ob ich Lust hätte bei ihm (Der vierte Offizielle) einen Beitrag zu schreiben und er bei mir. Ich fand den Vorschlag gut, also habe ich zugesagt.

Hier also sein Werk, ungekürzt und unzensiert.
Meine Werk bei ihm findet ihr hier

Ein Spätsommertag 1997. Wir sind nur zu zweit, sitzen in meinem alten Passat Santana und fahren zum Auswärtsspiel an die Küste. Altes Volksparkstadion, vielleicht 20.000 Zuschauer, ganz, ganz miese Stimmung. Dann kam Toni Polster, schoss drei Tore, der FC siegte mit 0:4 und die Hamburger Presse hatte fertig mit Magath. Ich erinnere mich echt noch wie gestern wie wir in Altona auf ´nem Anwohnerparkplatz geparkt hatten, im BurgerKing auf der Bahn frühstückten und uns recht genüsslich die MoPo kauften. Hach, good times.

Dreizehn Jahre und ein paar Tage später hat sich das Bild gewandelt. In der Zwischenzeit hat der HSV vieles richtig, der FC das meiste falsch gemacht. Dort wurden Lehren gezogen, bei uns hat man sich auf das allumfassende „Et hätt noch immer joot jejeange“ verlassen und ist damit grandios auf der Nase gelandet. Ganze vier Abstiege sind seit damals in unserer Vita zu verzeichnen. Jedes mal, wenn es wieder hoch ging, wurde gefeiert in Köln: Jetzt ist es endlich soweit, jetzt kann uns das nicht mehr passieren, jetzt wird alles besser. Tja. Pustekuchen. Wir stehen wieder mal vor einem Trümmerhaufen.

Die Schuldigen an der aktuellen Misere sind immerhin schnell ausgemacht. Das Duett Meier/Soldo stand schon letztes Jahr auf tönernen Füßen, am Wochenende ist es dann kaputt gegangen. Der biedere Kroate, der ebenso wenig mit der „kölschen Mentalität“ anzufangen wusste wie umgekehrt musste seine Koffer packen, nicht bevor er von unserer Vereinsführung ein letztes Mal bloß gestellt wurde. Er leitete das Sonntagstraining, wird dann noch in den „Doppelpass“ geschaltet und erfährt erst Stunden später (vermutlich aus der Presse) dass er beurlaubt wurde. Überall, in ganz Deutschland setzt man sich abends zusammen, informiert den Trainer (wenn er nicht sogar mit am Tisch sitzt), informiert die Mannschaft, informiert die Presse. In Köln ist das anders. Hier wird zu erst mal eine Nacht drüber geschlafen (Klar, unsere Präsident opfert ja nicht seine komplette Freizeit dem Verein), dann trifft man sich (in nehme an bei Kaffee und Kuchen) irgendwann Mittags, informiert (natürlich inoffiziell) DuMont, die haben natürlich einen live-Ticker und dann wundert man sich warum die ganze Welt schon zwei, drei Stunden vor der Bekanntgabe des Rauswurfs davon wusste. Herrlich! Wenn es nicht schon so zur Gewohnheit geworden wäre, könnte man glatt drüber lachen. Das will man als Fan dieses Vereins ja eigentlich nur noch. Aber irgendwann wird aus Selbstironie Hysterie und dann kommt die Einweisung…

Am Dienstag spielte der FC zum ersten Mal unter dem neuen (Interims?)-Trainer Frank Schaefer, einem Mann aus den eigenen Reihen, 47 Jahre jung, bisher Trainer der Regionalliga-Mannschaft der Kölner. Ein Mann, nach dem sich die kölsche Volksseele gesehnt hat. Aus dem Verein, mit Herz bei der Sache, auch mal mit dem Herz auf der Zunge und mit dem Anspruch die Aufgabe mit Mut und Selbstvertrauen anzugehen anstatt die passive Linie Soldos weiter zu verfolgen. Dass Overath dem Mann augenblicklich das Vertrauen entzog und medial mitteilen ließ dass es sich um eine Übergangslösung handelt, passt wie Arsch auf Eimer zu unserer Außendarstellung. Zum Glück dementierte die Vereinsführung am Mittwoch entschieden, dass es bereits konkrete Verhandlungen mit Klaus Toppmöller und Peter Pacult gegeben hätte, denn das Feuer, das eine Verpflichtung dieser Namen ausgelöst hätte, könnte man bis Hamburg sehen. Nein, der Fan ist glücklich mit Frank Schaefer. Wie sagt man so schön: Die Chemie stimmt.

Dass sich diese Chemie zwischen Manager Meier und dem Publikum gerade in einen sehr instabilen Zustand befindet, wurde beim Pokalspiel gegen 1860 mehr als deutlich. Über die komplette Spielzeit gab es „Meier raus“ Sprechchöre, die nicht nur von der Südkurve, sondern vom gesamten Stadion intoniert wurden. Meier hat in den letzten Jahren aber auch so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann:
Es geht damit los, dass er überhaupt keinen Bezug zur Basis hat. Im letzten Jahr spielte Pierre Womé auf links ein schlechtes Spiel nach dem anderen, wurde dann irgendwann mal höllisch ausgepfiffen und Meier stellt sich daraufhin vor die Presse und findet es „bedenklich“, dass die Fans einen Spieler wegen „seiner Hautfarbe“ auspfeifen. Selten hab ich so viele empörte Menschen gesehen, wie nach dieser Aussage. Der Mann hat überhaupt nicht verstanden warum die Menschen pfiffen und macht dann das Rassismus-Fass auf? Ich hätte ihn auf der Stelle entlassen. Aber, hey, hier geht das nicht so schnell, hier bekommt er ein paar Tage später einen neuen Vier-Jahres-Vertrag.
Vor der Saison dann das nächste Meisterstück unseres Manager-Darstellers. Voller Stolz präsentiert er das neue Auswärtstrikot für die Spielzeit. Weiß als Grundfarbe und schwarze Ärmel. Schwarze Ärmel! Er wusste wohl nicht, dass Weiß/Schwarz nicht wirklich eine Kombination ist, in der man in Köln gern gesehen wird, spielt doch die Borussia aus Mönchengladbach vorwiegend in dieser Kombination. Zum Vergleich: Das wäre so, als präsentierte der HSV uni-braune Trikots. Geht halt einfach nicht. Dass der Gegenwind etwas schärfer ausfiel als kommuniziert wird, kann man daran erkennen, dass wir auswärts in den alten blauen(!) Auswärtstrikots auflaufen und für die nächste Saison wieder die Rückkehr zu den traditionellen Farben geplant ist.
Zusätzlich zu seinem absoluten Nichtverständnis und zur fehlenden Kommunikation, kommen dann auch noch „fachliche Fehler“ hinzu, die er in Zusammenarbeit mit unseren Ex-Trainern zu verantworten hat. Er machte in fünf Jahren ca. 21 Mio. Euro Schulden, kaufte ständig die falschen Spieler, erkannte die (bekannten) Baustellen der Mannschaft nicht und so kommt es, dass sich die Ehe zwischen dem FC und Michael Meier in den letzten Zügen befindet. Bleibt abzuwarten ob wir ein Trennungsjahr überstehen müssen oder ob er von selbst die Segel streicht.

Es ist also bei weitem nicht alles rosig in Köln und selbst der Südkurve, die ja nun ein gewisses, hm, wie sagt man, Selbstverständnis als leidgeprüfte, dennoch immer fantastische Fankurve hat, ist nicht nach Party in diesen Wochen. Nun geht es also am Samstag gegen den HSV:

Ich erwarte eine etwas offensivere Kölner Mannschaft als in den letzten Bundesliga-Spielen. Im Tor wird wohl wieder der junge Miro Varvodić stehen, nachdem Mondragon seine Egozentrik ein wenig übertrieb. Davor spielen wir mit einem 4-2-3-1. Viererkette stellt sich fast von alleine auf, man muss abwarten ob Pedro Geromel wieder fit wird, ansonsten wird er wieder von Kevin Pezzoni in der Innenverteidigung ersetzt. An seiner Seite spielt Mohammad. Auf Außen erwarte ich rechts Brecko und links Salger. Davor Matuschyk und Lanig. Für das offensive Mittelfeld stehen mit Jajalo, Clemens, Ehret, Yalcin und Chihi fünf Spieler zur Verfügung, aber es sind nur zwei Plätze frei, weil Podolski gesetzt ist. Ich tippe auf Yalcin und Clemens. Vorne steht wieder Novacovic, der unter Soldo kein Bein mehr auf den Boden bekam.

Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Spiel wird aber trotz des Überangebots im Mittelfeld wieder unsere Defensive sein. Der FC fängt sich zu viele „einfache Tore“. Gegen einen Ruud van Nistelrooy oder Paolo Guerrero kann man sich keine Nachlässigkeiten wie gegen Benny Lauth erlauben. Dann rappelt es ganz schnell im Karton. Ich gehe davon aus, dass Pezzoni sich recht exklusiv um van Nistelrooy kümmern wird, der Rest wird wohl raumgedeckt.

Ich habe den HSV dieses Jahr noch nicht (in voller Länge) gesehen aber was man so liest tut sich Veh wohl auch recht schwer die Massen zu begeistern. Immerhin, auf dem Papier ist das Spiel eine klare Sache für Euch, doch gespielt werden muss es erst noch. Ich erhoffe mir einen selbstbewussten, mutigen Effzeh, vielleicht ein Törchen oder zwei und wenn es nicht zu einem Punktgewinn reicht, dann kann ich damit leben. Schön wär´ es trotzdem!

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6 Kommentare

  1. Pingback: …und wie er die Welt sieht: FC – HSV « Der vierte Offizielle

  2. Ich fahre völlig lustlos hin. Man möge mir wenigstens wieder Geschichten wie „Guerrero als 10er“ ersparen.

  3. Du bist in Köln?
    Dann kann doch nur alles gut werden, oder?

  4. Aufbaugegner Hamburg!
    Keine Sorge Axel…..

  5. @Matze
    Soll ich es singen? Du warst dabei! Soll ich wieder anfangen, den Ohrwurm, den man nicht weg bekommt ;-)

  6. Tja. Ich glaub, seit uns damals Lottner im alten Müngersdorfer Stadion zwei Buden reingeknallt hat, hab ich dort nicht mehr verloren.