NedsBlog

Meine Sicht der Dinge

Mitgliederversammlung 2011

Am Sonntag war es wieder so weit. Die alljährliche Chaosveranstaltung Mitgliederversammlung des HSV e.V. stand an. Wenn man den Medien glauben schenken durfte, sollte diese Versammlung wieder das reinste Chaos werden. Eine Generalabrechnung mit den ehemaligen Vorständen Bernd Hoffmann und Katja Kraus stand an. Die Entlastung sollte verwährt werden.

Der Untergang des Abendlandes stand mir also bevor, als ich am Sonntag um 11 Uhr mein Platz im CCH einnahm. Vorab hatte der Aufsichtsrat nicht nur über die Vereins- sondern auch über die Printmedien seinen Bericht veröffentlicht. Als Beispiel bitte diesen Link wählen. Ein einmaliger Vorfall, sonst werden die Berichte erst hinterher in einer Zusammenfassung veröffentlicht. Aber es sollte transparent und öffentlich klar gestellt werden, worum es geht, was geprüft wurde und welche Schlüsse der Aufsichtsrat daraus zieht.

Das Abendland steht noch. Der HSV e.V. auch. Wer also Emotionen und Chaos erwartet hat, war am Sonntag auf der falschen Veranstaltung. Sachlich ging es zu, gerade bei den Anträgen auf Satzungsänderung sogar langweilig sachlich.

Traditionell beginnt die Versammlung mit dem Gedenken an verstorbene Mitglieder. Es waren sehr viele, wir sind ja auch ein großer Verein. Die Ehrungen folgten, gerade im Bereich Behindertensport ist der HSV sehr erfolgreich und konnte Deutsche- und Eruopameister ehren. Toll.

Erster Punkt auf der Tagesordnung, der für ein wenig Brisanz hätte sorgen können, war der Bericht des Aufsichtsrates. Der war ja nun schon veröffentlicht und wurde einfach noch mal vorgelesen. Keine weiteren Ergänzungen oder gar neue Informationen. Erst in der Aussprache zum Bericht des AR kam es zu Fragen, die aber meiner Meinung nach zufriedenstellend beantwortet worden. Details zu den 6 Fällen wurden nicht genannt, es ist rechtlich wohl sehr schwierig für den AR und den Verein. Wir erfuhren nur so viel, daß das Gesamtvolumen dieser Aufträge bei 1,7 Mio Euro lag. Es ging also um richtig viel Geld. Es wurde aber noch mal seitens des AR klar gestellt, daß keine weiteren rechtliche Schritte eingeleitet werden. Die Aussicht auf Erfolg ist zwar in einigen Punkte da, der Aufwand dieses Geld zurück zu bekommen ist aber mit zu viel Risiko behaftet. Daher kein schmutzige Wäsche waschen mit den ehemaligen Vorständen. Erstaunlich fand ich die offenen Worte vom Aufsichtsratvorsitzenden bezüglich der Indiskretion im Aufsichtsrat. Aber er sprach keine Maßnahmen an, diese zu verhindern.

Ein Novum gab es bei dem Bericht des Vorstands. Sonst immer die Bernd Hoffmann Show, wurde diesmal von allen 4 Vorständen ein Bericht abgeliefert. Dröge und langweilig war der von Carl-Edgar Jarchow (ich werde nicht warm mit ihm). Frank Arnesen hat im Moment ein sehr guten Stand im Verein, egal was er sagt, die Mitglieder hängen an seinen Lippen. Sein Einstieg war, daß er so etwas wie am Sonntag noch nie gemacht hat. Sonst saß er immer mit den Managern und dem einem Mitglied, dem der gesamte Verein auch noch gehört, zusammen. Aber er findet es spannend und lernt dazu. Er erklärte uns, daß die Situation bei seinem Start nicht leicht war. Es stand ihm weniger Geld zur Verfügung, als er gedacht (oder man ihm erzählt) hatte. Er hob hervor, daß er den Altersschnitt der Mannschaft wesentlich gesenkt hat. Er stellte dar, daß die Art Töre und Sala zur Verpflichten (Keine Ablöse an Chelsea aber eine Klausel, daß der CFC an etwaigen Transfers monetär beteiligt werden würde) im Moment alternativlos ist. Die Situation um Michael Oenning war so nicht geplant, er hält viel von ihm, musste aber wegen der negativen Ergebnisse handeln. Seine Suche nach einem neuen Trainer brauchte er vor den Fans nicht verteidigen. Das Scouting steht bei ihm im Vordergrund. Bis 12 Jahre werden Talente lokal (Hamburg und Norddeutschland) ab 12 Jahren deutschlandweit, ab 16 Jahren in Europa und ab 18 Jahren weltweit gescoutet. Sowas wie Lam, der aus der eigenen Jugend kommt, beim VfL Lohbrügge (Stadtteil in Hamburg) entdeckt wurde, soll uns am besten immer passieren.
Ebenfalls sprach er an, daß die zweite Mannschaft noch näher an die Profis herangeführt werden sollen. Training immer mit/bei den Profis, damit sie sehen, was ihr Ziel ist. Dabei wurden bestimmt die Verantwortlichen von Ochsenzoll hellhörig, spielt sich doch bisher die Nachwuchsarbeit dort ab. Bin gespannt, was sich da noch ändern wird.

Joachim Hilke berichtete über die Finanzen. Die Situation war ja vorher bekannt, der Fehlbetrag in der Gewinn- und Verlustrechnung ist erklärbar (fehlende Einnahmen aus der Europa League und dem DFB Pokal), also auch hier keine Aufregung. Stolz listete er die Sponsoren auf, die hinzugekommen sind oder zu gleichen bzw. besseren Konditionen ihr Engagement verlängert haben. Auch das ist nicht selbstverständlich! Zur neuen Kampagne „Nur der HSV“ (dies liest man nun überall wo der HSV auftritt) sagte er, daß es sich um keine Marketingkampagne handelt, sondern um eine Haltung aller Fans, Mitarbeiter, Spieler und Verantwortlichen des HSV. Hier bin ich gespannt, wann dies geändert wird, weil es sich verbraucht hat. In Volkspark soll ein Lebens-, Freizeit- und Arbeitszentrum entstehen. Ähnliche Visionen hatte Bernd Hoffmann meiner Meinung nach auch. Finde nur gerade den Link nicht. Hervorgehoben wurde das soziale Engagement (Hamburger Weg zum Beispiel) und die Notwendigkeit als Verein in Hamburg sich um soziale Einrichtungen zu kümmern. Der Weg wird weiter gegangen.

Oliver Scheel (Vorstand für die Belange der Mitglieder) stellte seine Bilanz dar: Wieder mehr Mitglieder und vor allem auch Amateursportler im e.V. Die Suche nach einem innenstadtnahen Fantreffen geht weiter. Er berichtete über die Vorbereitungen zur 125 Jahr Feier: Es wird viele Veranstaltungen rund um den HSV als Universalsportverein geben. Wichtig war ihm, daß wir bei der DFL beantragt haben am 29.09. ein Heimspiel bestreiten zu können. Wir und die DFL sind ja so (hier gekreuzte Finger denken), daher sollte das kein Problem sein *hust*

Auch da also nicht viel neues oder überraschendes.

Auch die Aussprachen zu den jeweiligen Berichten der Organe peitschten die Stimmung nicht auf. Es wurde zwar kontrovers diskutiert (vor allem über die Zeit von Bernd Hoffmann und Katja Kraus) aber alles in allem konnte man hier keinen Graben im Verein erkennen, der ja vor der Versammlung ach so tief existieren sollte. Nein, es war eine normale, sachlich geführte Diskussion über verschiedene Sichtweisen. So wie überall anders auch. Natürlich gibt es noch einige, die Bernd Hoffmann weiter gerne an der Spitze des Vereins sehen. Aber der von der Merhheit der Mitglieder gewoählte Aufsichtsrat hat sich für einen anderen Weg entschieden. Das ist eben Demokratie.

Die Rechnungsprüfer berichteten noch, sie empfahlen den alten Vorstand nicht zu entlasten. Ein Antrag auf die namentliche Entlastung der Aufsichtsräte wurde abgelehnt – gut so! – ebenso kam es nicht zu einer Einzelentlastung der Vorstände.

Alle Orgrane wurden einstimmig entlastet. Somit ist unter die Ära Bernd Hoffmann ein Strich gezogen. Es sei denn, es tauchen weitere Ungereimtheiten auf. Diese 6 Fälle sind ja erst geprüft worden, nachdem die in der Hansestadt übliche Generalquittung für beide ehemaligen Vorstände ausgestellt war.

Die weiteren Organe (Amateure, Ochsenzoll, Senioren, Ehrenrat) bekamen auch ihre Zeit. Keine Ünberraschungen, keine neuen Erkenntnisse. Alles ruhig.

Es stand als nächstes die Wahl der Vorstandes für die Belange der Mitglieder auf der Tagesordnung. Zum derzeitigen Vorstand Oliver Scheel gab es nur einen Herausforderer, Christian Blunck. Der Herausforderer hatte es wahrlich nicht leicht, stellte sich aber allen Fragen sehr professionell. Da er aber kein Standing im Verein hat, wurde Oli Scheel für weitere 3 Jahre gewählt. Riesen Applaus.

Nach diesem TOP leerte sich der Saal erstmalig, es waren wohl einige nur wegen der Wahl hier. Kann ich verstehen, es waren zu diesem Zeitpunkt schon 5 Stunden vergangen und wir waren erst bei TOP 18.

Doch die folgenden Punkte auf der Agenda hatte es in sich. Es standen ganze 17 Satzungsänderunganträge zur Diskussion und Abstimmung. Die Satzung ist das höchste Gut des Vereins, eine Änderung kann nur durch eine 3/4 Mehrheit beschlossen werden. Die Anträge gingen von Regelungen zur Weiterführung des Ochenszoll e.V., der Verkleinerung des Aufsichtsrates, das Verhindern von Investorenmodellen, der Zulassung einer Fern- bzw. Briefwahl und weiteren. Gerade dieser letzte Punkt hat vor der Versammlung dazu geführt, daß die CFHH sich klar positioniert hat.

Zuerst abgestimmt sollte über einen Zusatz zur Satzung, der die Mitgliederversammlung ermächtigen soll über sogenannte Investorenmodelle zu entscheiden. Als Hinweis dazu sei gesagt, daß es sowohl das Wort von Bernd Hoffmann als auch das von Carl-Edgar Jarchow gibt, daß weitere Modelle wie Anstoß3 (Kühne) vor jeglicher Entscheidung der Mitgliederversammlung vorgestellt werden sollen. Damit dies nicht beim Wort bleibt, soll es in der Satzung verankert werden. Und nun stellte sich raus, daß selbst 1 Jahr Arbeit eines Satzungsausschusses nicht reichen, um solch einen Antrag klar und deutlich zu formulieren. Das Wort Investorenmodell war zu schwammig, nicht greifbar und läßt zu viele Interpretationen offen. Frank Arnesen zum Beispiel äußerte die Bedenken, daß das Modell wie es bei Töre und Sala angewandt wurde, dann ja auch darunter fallen könnte. Wenn man es denn so interpretiert. Eine Diskussion um das Wort entbrannte und der Antrag wurde letzendlich zurückgestellt zur weiteren Überarbeitung. Ich finde die Idee gut und würde für einen solchen Antrag stimmen, wenn es denn konkret und deutlich formuliert ist, was genau damit gemeint ist. Und vor allem sollen solche Modelle ja nicht verboten werden, sondern eben den Mitgliedern zur Abstimmung vorgelegt werden. Mehr nicht.
Danach ging es um den Ochsenzoll e.V. Der hat schon lange seine Gemeinnützigkeit verloren und die Integration in den HSV e.V. sollte abgestimmt werden. Puh, das zog sich, doch glücklicherweise fand einer der drei Anträge eine Mehrheit. Somit sind die finanziellen Konsequenzen (es hätte im schlimmsten Fall zu einem Entzug der Gemeinnützigkeit des HSV e.V. kommen können) abgewehrt.

Dann der Antrag auf Fernwahl. Der Antragsteller bemängelte, daß nur noch so wenig Mitglieder anwesend sind und eine Abstimmung seiner Meinung nach keinen Sinn mehr macht. Es spielte die Angst mit, daß gerade die Gegner des Antrags (also viele Ultras oder den Ultras nahe Mitglieder) Sitzfleisch bewiesen hatten. Der Antrag wurde zurückgestellt.
Was dann passierte, brachte die Versammlung zum Abbruch: Die meisten noch verbliebenen Teilnehmer verließen den Saal. Es war also deutlich zu erkennen, daß die Mobilisierung geklappt hat. So wird Politik gemacht.
Manfred Ertl schlug dann vor, die Versammlung nicht abzubrechen, sondern zu vertagen. Das wurde dann auch beschlossen.

Fazit
Wir sind ein Breitensportverein. Es geht um Posten, Gelder und Einfluß in den Organen. Jeder möchte seine Politik durchsetzen und seine Ideen durchgesetzt wissen. Neben diesem Amateurbereich haben wir noch die fördenden Mitglieder. Selber im Verein nicht aktiv, aber aktiv am Verein beteiligt. Auch dort geht es um Posten, Gelder und Einfluß. Und am Ende steht die Profifußballmannschaft des HSV. Sie erwirtschaftet die Gelder und nur wegen ihr gibt es die fördernde Mitgliedschaft. 3 Vorstandsmitglieder kümmern sich vorrangig um diesen Teil des HSV. Durch diese Mannschaft haben wir einen 3 stelligen Millionenumsatz.
Das alles paßt natürlich nicht zusammen. Bisher haben wir es aber immer hinbekommen. Wir sind nicht im Chaos versunken, sondern seit Beginn der Bundesliga immer dabei. Wir haben Pokale gewonnen, trotz dieser Struktur. Warum sollen wir das ändern?

Ärgerlich daran ist aber, daß einige wenige (sie nennen sich auserwählte) die Mitgliederversammlung so beeinflussen können. Da muß man als Mitglied eben aufpassen und zu den Versammlungen gehen. Was mich zur Fernwahl bringt: Ich bin dafür, weil es viele Mitglieder gibt, die nicht kommen oder abstimmen wollen. Es gibt aber genügend, die dabei sein wollen, aber nicht können. Denen muß man meiner Meinung nach eine Möglichkeit geben.

Nach 8 Stunden endete diese erste Vesammlung.

So, das war der erste Streich, der zweite folgt sogleich. Also im Mai. Dann wird die Mitgliederversammlung fortgestetzt.

In diesem Sinne: Nur der HSV!
(was so von einigen Redner abschließend gesagt wurde, lesen die hier mit?)

Autor: nedfuller

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7 Kommentare

  1. Pingback: elRapido » Rückblick: Mitgliederversammlung des HSV 2012

  2. Guten Abend.
    Anbei ein Link zur geplanten „Erlebniswelt“ von BH.
    http://www.welt.de/regionales/hamburg/article3634282/Der-HSV-baut-sein-Wohnzimmer-aus.html
    Der Artikel ist von April 2009

  3. Danke für die Links.
    Der Name viel mir nicht mehr ein und daher habe ich auch kein Link gefunden.
    Ich meine auch ein Bild gesehen zu haben, weiß aber nicht mehr, ob es auf hsv.de oder woanders war.

  4. Herje, die Argumentation der Erwählten ist aber aber auch hanebüchen!

    Übersetzt heißt sie nichts anderes als „Mit Fernwahl können wir dem Verein nicht mehr unsere Positionen aufdrängen, weil wir auf alle Fälle zu den Wahlen kommen und die von den Medien polarisierten und manipulierten Massen (weil wir erleucht…äh, erwählten ja selber nicht manipulieren) keine Ahnung haben und dann nur Blödsinn machen.“

    Sprich: sie sehen ihre Felle davonschwimmen; sehr peinliche Darstellung!

    Das Vereinspolitik Basisdemokratie ist haben sie offenbar nicht wirklich verstanden.

  5. Die Übersetzung sehe ich ähnlich wie du @DerTim. Ich bin immer noch am Überlegen, ob ich einen Wordbeitrag vorbereite. Dazu ist der Vorschlag der Satzungsänderung zu gut.

  6. Pingback: Abstiegskampf schüttet keine Gräben zu | NedsBlog