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Meine Sicht der Dinge

Abstiegskampf schüttet keine Gräben zu

Da in der letzten Mitgliederversammlung nicht alle Tagesordnungspunkte besprochen und zur Abstimmung gestellt werden konnten, kam es am Sonntag zu einer außerordentichen Versammlung im Stadion. Gut 600 Gäste waren anwesend, wovon zur besten Zeit 586 stimmberechtigte Mitglieder waren. Eine ziemlich geringe Zahl, wenn man bedenkt, daß in dieser Versammlung wichtige Beschlüsse gefasst werden sollten. Stichworte sind Fern- bzw. Briefwahl, Verkleinerung des Aufsichtsrates, Mitbestimmung bei Investorenmodellen, alles wesentliche Änderungen der Satzung des HSV e.V.

War die letzte Versammlung noch relativ ruhig, war es diesmal offensichtlich, daß der Verein in mindestens zwei Lager gespalten ist. Es gibt die, die wollen, daß sich der Verein verändert und die, die wollen, daß alles so bleibt wie es ist.

Die Saison hat denen, die was ändern wollen, noch mehr Patronen geliefert, will man doch endlich wieder Erfolg haben. Die andere Seite findet allerdings, daß man sich auf einem guten Weg befindet. Nicht sportlich, aber auf dem Weg den Verein wieder zu konsolidieren und die Kommunikation innerhalb und der Umgang miteinander wieder (?) zu verbessern.

In jedem Beitrag zu den wichtigen Anträgen war das rauszuhören.

Am längsten wurde über den Antrag auf Fernwahl diskutiert. Die Kultur des Vereins steht auf dem Spiel, während andere meinen der Verein würde so in der Moderne ankommen. Hitzig war die Diskussion. Ich entschied mich am Ende für Enthaltung bei dieser Wahl. Ich bin für die Fernwahl, der Antrag hätte aber bedeutet, daß per Fernwahl ausschließlich die Wahl der Aufsichtsratsmitglieder beschlossen worden wäre. Und das ist mir zu wenig, entweder ganz oder gar nicht. Satzungsänderungen hätten weiterhin nur per Wahl in der MV beschlossen werden können. Und ein Stimmrecht zweiter Klasse will ich dann auch nicht, es wäre meiner Meinung nach genau das gewesen.

Der Antrag auf Festlegung einer Zustimmung für sogenannte Investorenmodelle wurden vom Antragsteller zurück gezogen, weil er das Ehrenwort des Vorstandes bekommen hat, daß es solche Modelle mit ihm nicht geben wird. Schade, ich hätte den Zusatz gerne in der Satzung gehabt, weil er lediglich bedeutet hätte, daß die Mitglieder VOR solchen Abschlüssen informiert werden müssen. Aber gut, jeder Antragsteller darf tun was er für richtig hält.

Bei dem TOP zur Verkleinerung des Aufsichtsrates ging es dann wieder hoch her. Viel wurde über Effizienz und Effektivität gesprochen, über Zeit und Dauer von Sitzungen, über Anwesenheiten und es kam immer wieder zur Frage von Quantität und Qualität. Die einen sagen, die Qualität steigt mit der Quantität, die anderen sagen es genau andersrum.

Eine vermeintliche Bombe platzte dann aber, als der Aufsichtsratsvorsitzende das Wort ergriff und den Antrag auf Verkleinerung auf 7 Mitglieder unterstützte und dar stellte, daß wenn der Antrag beschlossen wird, es elegant wäre, wenn der AR danach komplett zurück tritt und sich zur Neuwahl stellt.

Da waren die Graben plötzlich sichtbar. Viele AR Mitglieder fühlten sich vor den Kopf geschlagen. Es scheint wohl zu keiner Zeit im AR darüber gesprochen worden zu sein und viele Mitglieder fühlen sich mit 10 Kollegen wohl. Das macht die Arbeit in Zukunft nicht leichter und ich denke, daß Ernst-Otto Rieckhoff dies auch zu spüren bekommt. Ich hoffe nur, daß dieser Machtkampf nicht noch mehr ausartet. Eine Hoffnung, die wohl nicht bestätigt werden wird. Schade.

Der Antrag bekam dann mehr Ja als Nein Stimmen, die erforderliche 3/4 Mehrheit wurde aber nicht erreicht.

Nach mehreren redaktionellen Korrekturen und der weiteren Verschiebung der restlichen Satzungsänderungsanträgen wurde die Sitzung beendet.

Es folgte die Infoveranstaltung des Vorstands und des Aufsichtsrates. Hier wurde von guter und konstruktiver Zusammenarbeit berichtet. Dies führte in der Aussprache dann zu großem Klärungsbedarf, Ernst-Otto Rieckhoff klärte aber auf, daß die Arbeit gut im 11er Gremium ist, er eine Verkleinerung aber befürwortet.

Alles sehr konfus, hier hätte eine bessere, klarere Formulierung des Vorsitzenden gut getan. So wurde noch mehr Salz ins Feuer gestreut. Oder war es Öl in die Wunde? Schlimm. Verdeutlicht aber, woran es uns fehlt: Am offenen Dialog, über die Gräben hinweg, um Ängste und Sorgen zu nehmen und den Verein in Zukunft in Ruhe zu führen, steuern und voran zu bringen.

Die Aussprachen brachten aber einige Details ans Tageslicht. Unter anderem, daß Frank Arnesen damals von Bernd Hoffmann wohl mehr Geld für Spieler versprochen wurde, dieses aber nicht da ist. Das zweite Jahr in Folge wird mit einem Minus abgeschlossen. Auch der versprochene Stadionausbau (Projekt 60.000) kann derzeit wegen fehlender Mittel nicht weiter voran getrieben werden. Der ausbleibende Erfolg macht sich zwar nicht an den Sponsorengelder bemerkbar, dafür sind aber die Logen nicht ausgebucht und diese sind nun mal der größte Erlösposten des Stadions.

Puh. Die Aussprachen machten es deutlich: Der Graben ist noch da. Es wird schwer, diesen kurzfristig zu zuschütten. Einen Beitrag kann die Mannschaft auf dem Platz dazu beitragen: Haben wir Erfolg, werden diese Themen im Hintergrund verschwinden und man redet vielleicht offener und kontruktiver miteinander.

Positives gab es auch zu vermelden. Im Juli kommt Barcelona nach Hamburg und die DFL hat versprochen, daß wir am 29.09.2012 ein Heimspiel haben werden. Der 125 Jahr feier steht wohl nichts im Wege.

8 Stunden saß ich in der Arena. Es wird wohl noch Jahre dauern, bis die Sitzungen eine erträgliche Dauer haben werden. Hier gilt es anszustetzen und die Grabenkämpfe zu beenden, so daß wir den Universalverein weiter auf stabilen Pfeilern stützen können. Alles andere würde dazu führen, daß wir uns weiter streiten und den Verein lähmen.

In diesem Sinne Nur der HSV!

Autor: nedfuller

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