NedsBlog

Meine Sicht der Dinge

Der nächste Gegner ist …

… okay, okay, ich zahle gerne 3 Euro in das Phrasenschwein, aber mir fiel keine bessere Überschrift ein.

Am Sonntag kommt der VfB Stuttgart nach Hamburg. An einem Sonntag, im Oktober. Den 21. Das sind alles wichtige Informationen, zu denen ich später noch komme.

Das Internet ist toll. Bei meinem letztem Auswärtsspiel gegen den VfB Stuttgart hatte ich das Vergnügen einen meiner Follower bei Twitter persönlich kennen zu lernen: jens1893

Und seit dem schaue ich mit mehr als einem Auge auf das, was in Stuttgart so passiert. Vor allem aber, was meine zahlreichen Follower und Blogger über den VfB twittern und schreiben. Wenn der Verein dann verliert, fragt man sich, wie sich die Anhänger des Gegners wohl fühlen. Sowas war mir früher egal, aber durch Twitter wird das alles persönlicher.

Neben dem schlechtem Saisonstart scheint aber mehr nicht zu stimmen beim VfB. Dieser Vermutung wollte ich nachgehen und habe Jens gebeten, mir ein paar Fragen zum VfB zu beantworten.

Hier die Fragen und Antworten.

Hallo Jens, ich glaube es ist immer blöd so anzufangen, aber wie ist die Stimmung in Stuttgart?

Gegenfrage, welche Stimmung erwartest du bei einem Verein, der nach 7 Spieltagen weniger Punkte wie Spiele hat, erst ein Spiel gewonnen hat und bis Oktober auf sein erstes Heimtor der Saison warten musste?

Ich würde hier ausserdem zwischen der Stimmung im Verein und im Umfeld unterscheiden wollen. Der Verein scheint – bisweilen auch demonstrativ – die Reihen zu schliessen und einen auf Zusammenhalt zu machen, während die Leute im Umfeld ob der gebotenen Leistungen doch zunehmends unruhiger werden.

Ihr habt euch letztes Jahr dank einer guten Rückrunde für die EURO League qualifiziert. Warum kommt bei euch trotzdem keine Freude auf?

Weil die letzte Saison Vergangenheit ist und man, im Gegensatz zu einer der Lieblingsaussagen des derzeitigen VfB-Übungsleiters, nicht wissen muss, wo man herkommt, sondern es doch eigentlich viel interessanter ist, wo man hinwill und es in meinen Augen in keinem Lebensbereich sonderlich förderlich ist, immer nur von der Vergangenheit zu schwärmen, insbesondere wenn man mit 300km/h auf einen Abgrund zu rast.

Für mich persönlich zählt nur die Bundesliga, der Rest ist maximal schmückendes Beiwerk. „Die Bundesliga ist unser täglich Brot“ (Bobic) und der Tabellenstand dort dürfte in den meisten Vereinen maßgeblich die Stimmung beeinflussen.

Abgesehen davon halte ich die Europa League im Jahr 2012 für reine Zeitverschwendung und das Argument, dass die Fans dann „tolle Reisen machen können“, erscheint mir noch als schlüssigstes Pro-Argument für diesen mtlw. in meinen Augen leider komplett zu Tode reformierten Wettbewerb, in dem Aufwand und Ertrag für mich leider in keinem Verhältnis mehr zueinander stehen.

Wir haben mehrere gemeinsame Bekannte aus der Vergangenheit: Felix Magath, Armin Veh und euren aktuellen Trainer.
Unter Magath gab es die Jungen Wilden unter Veh die Meisterschaft. Was habt ihr gerade mit Bruno Labbadia?

Die zweitälteste Mannschaft der Bundesliga ohne viel Entwicklungsmöglichkeiten, die einen einschläfernden Fussball spielt. Labbadia selber sagte vor einigen Wochen, dass man im Gegensatz zu vielen anderen Teams nicht auf schnelles Spiel und schnelles Abschlüsse raus will, sondern eher auf Dominanz und Ballbesitz. Im Jahr 2012. Diese Philosophie kann man in meinen Augen beim FC Barcelona oder Real Madrid verfolgen, nur haben die auch deutlich höhere Gehaltskosten wie der VfB Stuttgart und können sich einen Kader leisten, mit dem man erfolgreich diesen Fussball spielen kann. Stattdessen hört man dann hier jetzt von Ungenauigkeiten im Milimiterbereich beim Passspiel, weswegen einige Dinge nicht funktionieren.

Hättest du Magath oder Veh gerne wieder zurück? Was unterscheidet die beiden von Bruno?

Magath würde ich zurücknehmen, ja, aber auch nur für 2 Wochen, weil man dann Finanzvorstand Uli Ruf endlich los wäre. Ruf und Magath waren zu Magaths Zeit hier absolute Intimfeinde.

Aber im Ernst, ich würde keinen der beiden zurück haben wollen. Bei Magath ging zum Ende viel zu viel Porzellan zu Bruch (man erinnere sich nur an seine Drohung, eine Babypause zu machen, wenn man ihm die Freigabe für den Wechsel nach München verweigert hätte) und er hatte auch eine Machtfülle, die für den Verein nicht positiv war. Stellvertretend sei hier der Name Reinhold Fanz genannt, der unter Rüssmann nach 2 Monaten als Trainer der Amateure wieder entlassen wurde und dann von Magath 2003 zurückgeholt wurde. Überhaupt ist man glaube ich bei den meisten Vereinen froh, trotz seiner meistens zweifelsohne vorhandenen sportlichen Erfolge, Magath los zu sein.

Veh habe ich als Mensch eben auch wegen seiner für das Fussballgeschäft erfrischend ehrlichen Art sehr gemocht, nur hatte er sich einfach abgenutzt und hat auch auf mich nicht mehr den Eindruck erweckt, als ob er noch 1000%ig hinter seiner Aufgabe steht.

Der VfB als Verein hat sich als Motto „Junge Wilde“ auf die Fahnen geschrieben. Warum ist dann Tunay Torun im Spiel gegen Fortuna Düsseldorf der einzige Spieler unter 24 auf dem Platz?

Weil der Trainer den vorgegebenen Weg des Vereins nicht mitgeht und es für den Verein keine gelebte Philosophie ist, sondern nur ein reines Lippenbekenntnis, weil man gemerkt hat, dass man sich hier zunehmends zur grauen Maus entwickelt und irgendwie ein Alleinstellungsmerkmal braucht. Also haben sich die Strategen hingesetzt und sind auf die grandiose Idee gekommen, einen 10 Jahre alten Slogan wieder aufzuwärmen.

Bruno hat bisher mit Ausnahme Bicakcic Spieler unter 23 quasi nur dann gebracht, wenn er wirklich keine andere Wahl mehr hatte. Der gelernte IV Bicakcic kam zwar in Brunos ersten VfB-Spiel gg. Bayern München im Dezember 2010 wg. der damaligen RV-Krise (7 verschiedene Spieler auf RV ausprobiert in 17 Spielen!!!) zu seinem Bundesligadebüt, hatte allerdings gg. Ribery eine wenig beneidenswerte Aufgabe und stand mehr oder minder auf verlorenem Posten. Dieter Hundt soll wegen Bicakcic Labbadia danach auf gut Deutsch zur Sau gemacht haben und ich denke, dass dies bei Bruno einen bleibenden Schaden hinterlassen hat. Ausserdem versucht Bruno hier den Fehler aus Leverkusen und Hamburg zu vermeiden, wo er sich früher oder später mit den etablierten Spielern im Kader überworfen hat und dies wohl einer der Gründe für sein Scheitern war. Deswegen dreht es hier komplett um und schaukelt den etablierten Spieler auf Kosten der Jugend die Eier. Es ist in meinen Augen kein Zufall, dass wir den zweitältesten Kader der Bundesliga mit einer sehr interessanten Altersstruktur haben. Die Altersgruppe U23 gibt es quasi gar nicht, allerdings gibt es mit (Ziegler ausgenommen) Hajnal, Cacau und Maza auch nur 3 Spieler über 30 im Kader.

Holzhauser und Rüdiger sind ein Beispiel für junge Spieler, die bestimmt die Chance haben sich in der Bundesliga durchzusetzen. Der Trainer setzt aber nicht auf sie. Liegt es nur am Trainer oder hat auch der Sportchef „Schuld“ daran, daß so wenig auf die Jugend gesetzt wird?

Ich würde hier gerne noch Kevin Stöger erwähnen, der zwar wie Holzhauser aus Österreich kommt und im Mittelfeld spielt, allerdings im Gegensatz zum „Achter“ Rapha hinter den Spitzen besser aufgehoben ist und auch dynamischer ist.

Die Frage nach der Rolle von Fredi Bobic in diesem Zusammenhang ist sehr legitim und eine, die ich mir in den letzten 24 Monaten schon selber häufiger gestellt habe, allerdings werde ich aus Bobic selber nicht ganz schlau und habe selber für mich noch keine definitive Antwort auf diese Frage gefunden. Es hat bei Bobic Dinge, die mir gefallen, allerdings auch mindestens genau so viele, bei denen ich mir die Hände vorm Gesicht zusammen schlage. Einerseits gefällt mir die im Vergleich zu Heldt, bei dessen Aussendarstellung mir tlw. schon das Wort devot in den Kopf kam, um einiges offensivere Aussendarstellung durchaus, andererseits übertreibt er es tlw. gerne und erklärt jedem öffentlich den Krieg, der Zweifel am eingeschlagenen Weg äussert.

Aber um der Frage nicht komplett aus dem Weg zu gehen, Bobic reagiert sehr, sehr dünnhäutig auf Fragen nach dem Thema Jugend, beklagte jüngst eine gewisse Polemik in der Diskussion um dieses Thema in Stuttgart und meinte auf der Mitgliederversammlung, man würde hier schließlich Erwachsenensport betreiben. Sicherlich werden die wenigsten Leute öffentlich hier die kompletten Karten auf den Tisch legen, aber man kann sich auch zurückhaltender äussern.

Nach dem letzten Spiel hat der Trainer auf der Pressekonferenz zum Rundumschlag ausgeholt. Ich will es nicht Wutrede nennen, aber er hat schon sehr deutlich seine Meinung gesagt. Gegen wen eigentlich? Die Presse? Die Verantwortlichen? Gar gegen die eigenen Fans?

Interessanter Punkt, dass du das Wort Wutrede vermeiden willst, denn es war auch keine. Es war ein in meinen Augen geplanter und inszenierter Auftritt, um von Dingen abzulenken und Zeit zu gewinnen.

Die Rede richtete sich zu 99% an die Presse und dort an die Stuttgarter Zeitung, die wohl in den letzten Wochen Dinge verbreitet hat, die so nicht der Wahrheit entsprechen. Die StZ reagierte auf die Vorwürfe letzte Woche auch mit einem Artikel, wo man Stellung bezog und dort hieß es u.a., dass sich Labbadia den Auftritt vorher von Mäuser genehmigen ließ. So viel zum Thema authentisch, emotional oder spontan.

Mir persönlich haben bei dem Auftritt mehrere Dinge missfallen. Unterm Strich hat er impliziert, dass das Publikum einzig und allein das macht, was die Presse vorgibt („wurde aufgewiegelt“) und zu dumm ist, sich eine eigene Meinung zu bilden und ausserdem war es auch beim ewig leidigen Thema Finanzen eine sehr einseitige Darstellung der Dinge. Ich will auf das Thema nicht näher eingehen, aber mir geht es auch auf den Sack, wenn er hier meinen Verein andauernd als bettelnden Strassenpenner darstellt, der auf Almosen angewiesen ist. Der VfB Stuttgart ist von den Gehaltskosten her trotz der Einschnitte immer noch unter den Top 6 der Bundesliga und die Verpflichtung eines damals 27-jährigen Bosniers für den IMO doch sehr stolzen Betrag von 5m € im Januar hat er auch komplett unter den Tisch fallen lassen.

Die Rede zeigt mir allerdings auch, dass Labbadia nicht für den Verein, sondern nur für sich selber arbeitet. Labbadia macht nicht das, was für den VfB Stuttgart am Besten ist, sondern was ihm Zeit bringt. Das sieht man beim Thema Jugend, wo er nur Risiken sieht und (langfristige) Potentiale komplett ignoriert und das sieht man auch hier. Es geht Labbadia nur um sich selber, da er genau weiß, dass er bei einem Scheitern hier für zumindest halbwegs bessere Klubs komplett verbrannt ist.

Ich folge dir auf Twitter (@jens1893) und bekomme mit, daß du sehr niedergeschlagen bist. Was muß passieren, damit du wieder voller Enthusiasmus ins Stadion pilgerst? Liegt es nur am Trainer?

Ich hätte gerne einen Verein, der auf mich den Eindruck erweckt, dass für ihn sportlicher Erfolg das wichtigste ist und der diesem Ziel keine finanziellen Dinge unterordnet.

Was mir fehlt ist ein klarer Weg und eine klare Philosophie, den man kompromisslos verfolgt, und nach dem man sich seine Mitarbeiter aussucht. Wofür steht der VfB Stuttgart? Was will der VfB Stuttgart? Wie will der VfB Stuttgart das erreichen? Das sind Fragen, auf die mir derzeit die Antworten komplett fehlen.

Ihr habt ja neben Torun einen weiteren Hamburger im Kader: Martin Harnik. Wie zufrieden bist du mit Tunay und wie mit Martin?

Torun ist in meinen Augen ein Durchschnittsfussballer, der den Verein keinen Zentimeter weiter nach vorne bringt und der nur hier gelandet ist, weil er eben im Sommer gerade ablösefrei war und Bruno in Hamburg irgendwie einen Narren an ihm gefressen hat. Es muss der Anspruch sein, dass man Spieler dieser Klasse selber produziert und solche Spieler nicht von aussen holen muss. Der einzige Unterschied zwischen einem Tunay Torun und Manuel Janzer ist in meinen Augen, dass Torun vielseitiger ist, aber Transfers Marke Torun besetzen nur Kaderplätze, sonst nix.

Harnik ist neben Tasci und Ulreich eines der Gesichter des Vereins und Publikumsliebling. Super umgänglicher und authentischer Typ, über den man so gut wie nichts negatives hört und der auch sportlich einer der wichtigsten und besten Spieler des Vereins ist, bei 17 Toren als Rechtsaussen auch kein grosses Wunder. Schwächen wie eine auch von ihm selber bemängelte fehlende Konstanz und im technischen Bereich lasse ich deswegen hier unerwähnt.


Am Sonntag spielen wir in Hamburg gegeneinander. Wenn ich ehrlich bin gibt es nur zwei Spieler, die mir Kopfzerbrechen bereiten: Vedad Ibisevic und Martin Harnik. Wen habe ich vergessen? Welcher Spieler ist für dich in dieser Saison die Stütze des Vereins?

Läßt sich Mitte Oktober bei diesem Saisonverlauf sehr schwer sagen. Es hat einige Spieler, die ich sehr schätze und die kicken können, die es allerdings wg. vielerlei Gründen bisher diese Saison noch nicht abrufen konnten. Stellvertretend sei hier Deutschjapaner Gotoku Sakai genannnt, der nach einer exzellenten Rückrunde wg. Olympia den wichtigsten Teil der Vorbereitung verpasste, seitdem quasi wg. irgendwelchen Zirkuskicks fleissig Meilen auf der Strecke Stuttgart – Tokyo sammelt und sich seine Fitness quasi über die Spiele holen muss oder auch der in meinen Augen tlw. verkannte Kapitän Serdar Tasci, bei dem seit seinem Handbruch in der EL-Quali ein Wehwehchen das nächste sagt.

Wenn wir am Sonntag gewinnen, welcher Trainer leitet bei euch das Training am Montag darauf?

Gar niemand, am Tag nach dem Spiel ist Auslaufen. ;-)

Noch mal vielen Dank für die ausführlichen und ehrlichen Antworten Jens.

Wie oben beschrieben spielen wir am Sonntag den 21. Oktober zu Hause gegen den VfB. Das Spiel fand in den letzten 50 Jahren schon einige Male statt, daher kam mir eine neue Idee für eine Statistik.
Ich habe also alle Spiele des HSV seit der Saison 1963/64 in eine Exceltabelle gehackt und mache daraus nun ein paar Auswertungen.
Zu jedem Gegner gibt es ab jetzt immer folgendes zu sehen:

Ganz oben steht natürlich der Gegner, ob es ein (H)eim oder (A)uswärtsspiel ist und das Datum.
Es folgt die Bilanz der letzten 50 Jahre (and counting) Bundesliga gegen den Gegner. Dabei zeige ich die (S)iege, (U)nentschieden und (N)iederlagen, sowie die geschossenen Tore (T+) und die Gegentore (T-) plus die Differenz.

Das gleiche mache ich für die letzten 10 Spiele, allerdings schaue ich mir die gesamten (ges) und die (H)eim- bzw. (A)uswärtspiele gegen den Gegner an. Was interessiert es mich, wenn wir die letzten 10 Auswärtsspiele gegen den Gegner gewonnen haben, wir aber zu Hause spielen.

Und nun spiele ich richtig rum:
Die letzten vier Bilanzen stellen jeweils die gesamten Spiele gegen den Nächsten Gegner an einem Tag, in einem Monat, an dem Tag und Monat, sowie an dem Wochentag dar. Das gleiche dann noch mal für Heim- bzw. Auswärtsspiele, je nachdem was jetzt ansteht.

Für den VfB heißt das (mal nur in SUN gesprochen): An einem 21. (egal welcher Monat) haben wir 3 Spiele bestritten und alle gewonnen, 2 davon zu Hause. Im Oktober haben wir in der Bundesliga 11 mal gegen den VfB gespielt, Bilanz ist 7-1-3 (zu Hause 4-0-1). Am 21.10. haben wir bisher noch nie gegen den VfB gespielt. Sonntagsspiele gab es erst 4 in den letzten 50 Jahren, wovon wir keines gewinnen konnten.

Was uns das jetzt am Sonntag hilft? Nichts. Fand das nur interessant. Basis sind die Daten von fussballdaten.de

Die Tabelle kommt in die Sidebar, wenn ich dann irgendwann mal ein neues Theme gefunden haben, auch immer ganz oben rechts.

In diesem Sinne:Nur der HSV!

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