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Meine Sicht der Dinge

Vereine gewinnen Spiele, Kapitalgesellschaften Meisterschaften

Die Überschrift ist abgeleitet aus „Offense wins games, defense wins Championships“. Seit Bernd Hoffmann in seiner Amtszeit versucht hat, den HSV umzustrukturieren und den Profifußball auszugliedern, geistert in den Medien, auf den Mitgliederversammlungen und bei den Fans immer wieder das Wort Ausgliederung herum. Diese sollte uns in erfolgreiche Zeiten zurück führen, das Chaos der letzten 25 Jahre beheben und endlich wieder Trophäen in das Museum bringen.

Ist das so? Diese Frage stelle ich mir, seit ich 2006 in den Verein eingetreten bin.

Verein vs. Kapitalgesellschaft

Bevor wir uns mit dem HSV beschäftigen, hier die Liste der 18 Bundesligisten in der Saison 2013/2014

Team(V)erein / (K)apitalgesellschaftKapitalges. Seit
1. Fußball- und Sportverein Mainz 05 e. V.V
1. Fußball-Club Nürnberg Verein für Leibesübungen e. VV
Bayer Leverkusen Fußball GmbHK1999
Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaAK1999
Borussia VfL 1900 Mönchengladbach GmbHK2003
Eintracht Braunschweig GmbH Co. KGaAK2008
Eintracht Frankfurt Fußball AGK2000
FC Augsburg 1907 GmbH & Co. KGaAK2006
FC Bayern München AGK2002
FC Schalke 04 e.V.V
Hamburger Sport-Verein e.V.V
Hannover 96 KGaAK1999
Hertha BSC Berlin GmbH & Co. KGaAK2002
Sport-Club Freiburg e. V.V
TSG Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbHK2005
VfB Stuttgart 1893 e.V.V
VfL Wolfsburg-Fußball GmbHK2001
Werder Bremen GmbH & Co. KGaAK2003

(Quellen: Wikipedia und Vereinshomepages)

Lediglich (oder immerhin?) ein drittel der Bundesligisten in der nächsten Saison sind ein eingetragener Verein. Das überrascht jetzt doch, ist doch eigentlich der e.V. ein Mißerfolgsfaktor. Kann man Schalke, Stuttgart, Mainz, Nürnberg und Freiburg vorwerfen, sie haben keinen Erfolg, weil sie ein eingetragener Verein sind? Meiner Meinung nach nicht. Nun mögen die Strukturen im Verein anders sein als beim HSV.

Zum Beispiel gibt es in Mainz einen Vorstand mit 9 Mitgliedern. Wir haben 4. Konstanz ist das Thema in Mainz, seit 1988 ist Harald Strutz im Amt und das Gremium relativ gleich bleibend. Die Mitgliederversammlung und eben jener Vorstand sind die einzigen Organe des Vereins. Für zwei Jahre wird letzterer von der Versammlung gewählt. Damit sehr viel direkter als es bei uns der Fall ist.

Beim Glubb hat es 2 Vorstände und 8 Aufsichtsratsmitglieder. Auch ein Moderator (Günther Koch) ist Mitglied des AR. Wir haben einen Schauspieler. Der Aufsichtsrat wird von der Mitgliederversammlung gewählt, allerdings auf Vorschlag eines Wahlausschusses, der auch von der Mitgliederversammlung gewählt wird. Klingt in meinen Ohren ein wenig komplizierter und zeitaufwendig. 3 Jahre darf ein Rat dann arbeiten, bevor neu gewählt wird. Zur Erinnerung: bei uns sind es 4 Jahre Amtszeit. Wie bei uns bestellt der Aufsichtsrat den Vorstand.

Der SC Freiburg leistet sich 3 Vorstände. Mehr kann ich zum Verein nicht finden, die Satzung steht leider nicht im Netz zur Verfügung.

Die Stuttgarter organisieren sich mit 2 Vorständen, 5 Aufsichtsräten und einem Präsidenten. Also theoretisch, ist doch Gerd E. Mäuser im Juni diesen Jahres zurück getreten. Dieser wird von der Mitgliedsversammlung gewählt, ebenso der Aufsichtsrat. Der Vorstand wiederum wird vom Aufsichtsrat bestellt.
Es ist etwas anders als bei uns, einen Präsidenten gibt es bei uns nicht.

Schalke gönnt sich 3 Vorstände und 11 Aufsichtsräte. Interessant dabei ist, daß sowohl ein Fan als auch ein Vertreter vom Hauptsponsor einen Sitz hat. Geld trifft Seele oder so. Wie bei uns wählt die Mitgliederversammlung einen Teil der Räte, in dem Fall sind es 6. Jedes Jahr werden 2 Plätze per Wahl neu vergeben, die Amtszeit beträgt 3 Jahre. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Der Fan wird vom Schalker Fan-Club-Dachverband entsendet. Auch das kennen wir.

Von diesen 6 Vereinen ist einer in den letzten 12 Bundesliga Saisons immerhin einer Deutscher Meister geworden: Der VfB. Warum ich die letzten 12 Saisons als Ansatzpunkt genommen habe? Im Jahre 1999 gliederten 3 Vereine ihren Profifußball aus: Bayer Leverkusen, der BVB und Hannover 96.

Alle Vereine haben also ähnliche Strukturen wie der HSV. Wird dort diese Struktur als Grund für eine gehemmte Entwicklung angegeben? Ich habe den Twitteratie @jens1893 dazu befragt, der mir schrieb, daß die Ausgliederung vor etwa 10 Jahren ein Thema war und im Zuge der Neuwahl eines Präsidenten wieder zum Thema werden kann. Ebenfalls rumort es anscheinend bei den Fans, weil sie sich mehr fussballerische Kompetenz in diesem Amt wünschen. Interessant, das kennen wir auch.

Meisterschaften

50 Meistertitel sind bisher in der 1. Bundesliga vergeben worden. 39 davon gingen an eingetragene Vereine, 11 an Kapitelgesellschaften. Verein zu sein ist also doch die richtige Wahl?
Nein, nicht ganz. Seit den ersten Ausgliederungen im Jahre 1999 haben seit dem lediglich 2 eingetragene Vereine einen Meistertitel errungen: Der FC Bayern (1999/2000 & 2000/2001 noch als Verein!) und der eben genannte VfB Stuttgart (2006/2007). Die letzten 12 Meisterschaften gingen an 4 Kapitalgesellschaften (FCB, BVB, SVW, WOB) und eben an den VfB.

Eingetragene Vereine haben also doch das Nachsehen und wir sollten dringen ausgliedern, damit es mit einem Titel endlich mal wieder klappt. Ausgliederung bedeutet also Erfolg. Deswegen spielt Schalke ja auch in der Champions League und in Mainz sowie in Freiburg entwickelt sich eine Mannschaft, die es in der Bundesliga schafft stabil mitzuspielen und eine Mannschaft auf den Platz zu stellen, die konkurrenzfähig ist.

Titel werden also nur von Kapitalgesellschaften gewonnen? Von den letzten 12 DFB Pokalsiegern waren immerhin 2 eingetragene Vereine (Schalke 01/02 & 10/11 sowie Nürnberg 06/07). Kapitalgesellschaft gewinnt also nicht immer Titel! Fairerweise muß ich natürlich schreiben, daß die restlichen Titelgewinner alles Kapitalgesellschaften sind (FCB 6, SVW 2, BVB 1).

Struktur des HSV

Was ist jetzt mein Fazit?
Ich glaube nicht, daß es ein Hindernisgrund ist, ein eingetragener Verein zu sein. Man sieht an anderen Vereinen, daß die Struktur nicht alleine entscheidend ist.
Eine Ausgliederung kann helfen, der Erfolg hängt aber von den handelnden Personen ab. Wie auch bei einem Verein.
Der HSV ist seit 126 Jahren ein Breitensportverein mit Profisportabteilung. Also warum muß man das jetzt ändern? Hilft es uns dabei Spiele zu gewinnen? Ich denke nein. Hilft es uns professioneller zu arbeiten? Klar ist es für den Aufsichtsrat leichter zu arbeiten, wenn nicht alle 4 Jahre Wahlen anstehen. Auch ein Geschäftsführer oder Vorstand kann einfacher Entscheidungen treffen, wenn ihm keine Entscheidungsvorgaben in der Satzung aufdiktiert werden. Aber: Die Gefahr, daß dann jemand tut und läßt was er will, ist damit größer. So kann man sich leichter einen Rat zusammenstellen, der abnickt, egal was man tut. Ein Vorwurf, der in der sehr erfolgreichen Zeit unter Bernd Hoffmann immer wieder aufkam: Im Aufsichtsrat sitzen nur Grüßaugusts, die ihren Job überhaupt nicht korrekt durchführen. Konsequenz ist dann eine Alleinherrschaft. Wollen wir das?

Der Vorstand ist im Moment mit 4 Personen besetzt. Damit weichen wir nicht sehr von anderen Vereinen, egal ob e.V. oder GmbH, AG oder KGaA. Wichtig ist doch vielmehr, wer diese Arbeit durchführt. Wir können gerne eine Diskussion anfangen, ob die Arbeit von Carl-Edgar Jarchow immer positiv zu bewerten ist, aber ist es da nicht egal, welcher Gesellschaftsform er vorsitzt? Mit Oliver Scheel haben wir ein Vorstandsmitglied, daß sich um die Mitgliederbelange kümmert. Müssen wir das ändern? Wenn ja, warum? Ich schätze Oliver so klug ein, daß er sich bei Entscheidungen informiert und nach besten Gewissen entscheidet, auch wenn es um wirtschaftliche oder sportliche Dinge geht. Zur Not spricht er mit seinen Kollegen und fragt nach.

Unser Aufsichtsrat hat 11 Mitglieder. Auch da liegen wir nicht weit entfernt von anderen Vereinen. 8 Ratsmitglieder werden alle 4 Jahre neu gewählt (okay, alle 2 Jahre werden 4 Plätze neu vergeben). Bei anderen Vereinen sind es nur 3 Jahre Amtszeit. Also müßte dort viel mehr Unruhe herrschen. Tut es aber nicht, weil die zu wählenden Personen sich anscheinend nur über ihre Arbeit im Rat identifizieren, sich selber mehr zurückhalten.
Da fehlt es uns anscheinend. Aber wir wählen ja die Räte, sind also quasi selber Schuld an dem Chaos.

Was kann da jetzt eine Ausgliederung dran ändern? Wir würden weiterhin einen Vorstand und ein Kontrollgremium benötigen. Der einzige Unterschied ist damit, daß wir diesen nicht wählen können.
Unsere „Macht“ als Mitglied würde vollends verloren gehen. Erinnert sich noch jemand, daß es aufgrund der Stimmen aus der Mitgliedschaft dazu kam, daß der Vorstand den Vertrag mit ViaNOgo vorzeitig wieder beendet hat? Ich finde, daß ist ein gutes Beispiel, wie wichtig eine starke Mitgliederversammlung ist.

Nun soll zur nächsten Mitgliederversammlung ein Vorschlag zur Umstrukturierung des Vereins vorgestellt werden. Ich bin gespannt, was Ernst Otto Rieckhoff uns dort präsentieren wird, halte ich ihn doch für einen fähigen Mann, der es schaffen kann, eine Veränderung so zu gestalten, daß das hohe Gut der Mitbestimmung und eine Professionalisierung einher gehen.

Ich finde es auch unerheblich, daß fussballerischer Sachverstand im Aufsichtsrat sitzt. Wenn sich jemand von den alten Granden des HSV zur Wahl stellt, würde ich mir das anhören, aber ich denke es ist viel wichtiger, daß wir wirtschaftliches Know How in diesem Gremium haben. Spieler werden beim HSV immer noch vom Sportvorstand verpflichtet.

Wie ist eure Meinung zur Ausgliederung und Umstrukturierung? Brauchen wir eine HSV GmbH? Müssen wir den HSV umstrukturieren? Brauchen wir einen kleineren Aufsichtsrat?

In diesem Sinne: Nur der HSV!

Autor: nedfuller

Ich bin Florian Neumann und versuche hier meine Sicht der Dinge zu beschreiben. Hier klicken um mir einen Euro via Paypal zu schicken