NedsBlog

Meine Sicht der Dinge

HSV Mitgliederversammlung 2014

Die Mitgliederversammlung ist vorbei, Entscheidungen wurden gefällt und ich bin traurig.

Aber ich bin in einem (noch) demokratisch und auf Mitbestimmung aufgebautem Verein Mitglied, ich muß diese Entscheidungen hinnehmen und mit ihn leben.

Ganz vorweg erst ein mal: Ich werde immer zum HSV gehen, egal was passiert. Meine Liebe zum HSV ist eben tiefer als alle Reformen es zerstören können. Gerne bin ich nicht nur Fan einer Fußballmannschaft, sondern eben auch Teil des Vereins gewesen. Ich fahre so oft es geht Auswärts und habe im letzten Jahr mitgeholfen eine Choreo zu bastlen. (Nein, das macht mich nicht zu einem besseren Fan, es macht mich zu dem was ich bin und mir für mich als Fansein definiere. Jeder der die Raute im Herzen trägt ist ein Fan des HSV. Okay, die bei dem ersten Fehlpass pfeiffenden Schwachköppe nehme ich da mal raus)

Ich bin seit Jahren auf jeder Mitgliederversammlung gewesen. Ich habe mit Interesse die Berichte des Vorstandes, des Aufsichtsrates und die Aussprache dazu verfolgt. In der vorletzten Versammlung habe ich dann sogar den Mut gefasst, eigene Fragen am Mikrofon zu stellen. Ich habe diese Versammlungen gerne besucht, weil ich Teil des Entscheidungsfindungsprozesses war. Mir wurden Kandidaten vorgestellt, die ich in den Aufsichtsrat gewählt haben wollte.

Und wenn es hart auf hart gekommen wäre, hätte ich sogar ein Antrag stellen können, der dem Vorstand eine Aufgabe zur Erledigung gibt (meinetwegen: Hosenzwang ist im Stadion ab sofort aufgehoben).

Diese Mitbestimmung wurde am Sonntag den 19.01.2014 abgewählt. (Hier bitte alle die Proteste der Unterstützter der Reform „HSV Plus“ dazu denken, weil wir ja weiterhin die Geschicke der Fußball AG in den Händen hätte… Nein, das haben wir nicht. Wir können jemand wählen, der in der Hauptversammlung unser anliegen einbringen kann. Mehr aber auch nicht!)

Wie lief die Versammlung aus meiner Sicht?
Neben den üblichen Anträgen zur Geschäftsordnung (lieber Punkt B vor Punkt A, warum machen wir das nicht so oder so?) gab es die Vorstellung der Reformmodelle. Der weitrechenste Antrag (Verschiebung der Abstimmung, Gründung einer Kommission um den besten Weg zu finden) durfte sich zuerst vorstellen. Es gab verhaltenen Applaus.

Die meiste Zustimmung im Saal erhielt Ernst-Otto Rieckhoff bei seiner Vorstellung. Die unsägliche „da vorne sitzen 4 Alt-83er, steht doch mal auf“ Nummer verfehlte seine Wirkung nicht. Was das mit dem Konzept zu tun hatte konnte mir bisher noch keiner erklären. Aber hey, die Alt-83er stehen über allem, da kann man ja mal drüber weg sehen. Wobei ich natürlich nicht verschweigen darf, daß HSV Plus sein Konzept am besten vorgestellt und auch argumentativ mit am besten vorgestellt hat. Was mir aufgefallen ist: Es gab von Seiten der HSV Plus „Gegner“ wenig bis keine Buhrufe oder Pfiffe.

rautenherz von Martin Rüssel, Rainer Ferslev und Dirk Wechsel hatte meiner Meinung nach ein ziemlich schwache Argumentation aufgebaut. Rainer Ferslev versuchte nicht sein Modell positiv darzustellen, sondern daß von HSV Plus negativ. Das hat ihm einige Stimmen gekostet meiner Meinung nach.

Auch hier hielten sich Pfiffe und Buhrufe in Grenzen.

Anders war das bei der Rede von Jürgen Hunke. Er versuchte nicht sein Konzept vorzustellen, sondern seine Sicht auf die Dinge klar zu stellen. Meiner Meinung nach gelang ihm das auch sehr gut. (Hallo?! Das ist Jürgen Hunke, jemand, den ich nie wieder beim HSV in einem Amt sehen wollte und ich stimme ihm zu!!!). Begleitet wurde er aber von „Hau doch ab!“ Rufen und Pfiffen. Fairer Umgang geht anders. Es passierte im Endeffekt genau das, was sonst immer dem harten Kern, den Ultras und im Endeffekt auch mir vorgeworfen wurde: Andere Meinungen wurden nieder gemacht! (Am schlimmsten war es, als aus der gleichen Ecke Buhrufe und Pfiffe für Dr. Krohn kamen. Die wissen halt nicht, wen sie da vorne gesehen haben, waren ja noch nie auf einer MV, anscheinend. Ganz ehrlich, das war richtig widerlich! Und ich kann diese Leute nur als Idioten und Ignoranten bezeichnen!)

Richtig gut hat Christian Reichert erklärt, worum es bei HSV-Reform geht: Es geht nicht ums Verhindern von HSV Plus, sondern um eine sofortige Reform des HSV UND um die Handlungsfähigkeit sicher zu stellen, falls im Sommer die Satzungsänderung für eines der anderen Modelle nicht die 3/4 Mehrheit erhalten hätte.

Auch hier, etliche Buhrufe und Pfiffe. Schade.

Bei der Abstimmung konnte sich dann HSV Plus als der Gewinner sehen. Fast 80% der anwesenden Mitglieder sprachen sich für den Auftrag an den Vorstand aus. (Ja, ich war einer der fast 20% Gegenstimmen).

Ein Dämpfer gab es dann aber doch noch: Die Fernwahlanträge wurden allesamt (wenn auch knapp) abgelehnt. Ja, auch ich habe beide Anträge abgelehnt. Das hat auch einen Grund. Ich habe die beiden Anträge abgelehnt, wie ich auch schon den ersten Antrag vor 3 Versammlungen abgelehnt habe und das, obwohl ich immer pro Fernwahl bin: Sie sind mir zu schwach gewesen. Alle bisherigen Fernwahlanträge gab den Mitgliedern nur in bestimmten Fällen das Recht per Fern-/Brief-/Internetwahl teilzunehmen. Im Grunde so, als wenn ich bei der Bundestagswahl nur die Erststimme per Brief wählen kann.
Das macht kein Sinn: Entweder ganz oder gar nicht.

Natürlich passte meine Nein Stimme taktisch auch sehr gut, der Antrag wurde abgelehnt. Nettes Beibrot, aber nicht der Grund für meine Ablehnung. Oh, das ist undemokratisch? So demokratisch wie sich über einen AR zu beschweren, den man nicht gewählt hat, weil man bei der Wahl nicht auf der MV war?

Demokratie funktioniert nun mal über Mehrheiten, daß hat doch diese Versammlung absolut bewiesen!

Schade fand ich es, daß der Vorschlag von Christian Reichert nicht gehört/diskutiert worden ist. Er schlug vor, daß es Wahllokale in Ballungszentren gibt, in denen die Versammlung live gestreamt wird und Wortbeiträge vorgetragen sowie Abstimmungen so gehalten werden können, wie es im Nachbarsaal im CCH möglich war. Schade, das wäre eine demokratische Möglichkeit für alle Mitglieder an der Versammlung teilzunehmen. Aber wäre es nicht zu teuer? Dagegen sollte man immer die Kosten rechnen: 80% der Mitglieder des HSV wohnen in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Ist der Aufwand für 20% der restlichen Mitglieder vertretbar? Wenn ja, dann sofort machen. Ansonsten muß eben eine irgendwie geartete Fernwahl möglich sein, in der alle Mitglieder die gleichen Stimmrechte haben.

Bei allen bisherigen Anträgen hatten sie dies nämlich nicht.

Weiterhin finde ich es sehr, nun, wie nennen wir es denn mal, verdächtig, daß alle Anträge das Wort Ausgliederung beinhaltet. Aber das sind alles nur Vermutungen, ich denke, daß die Antragsteller nur die demokratische Abstimmung im Sinn hatten. Mir waren die Anträge aber eben nicht weit genug gefasst.

Als die Abstimmungen dann vorbei waren und es zum TOP Bericht des Vorstands und Aufsichtsrat kam leerte sich der Saal. Und es gingen nicht ein paar wenige Mitglieder, sondern am Ende waren nur noch kanpp 250 im Saal. Auch das ist sehr schade, gerade die Aussprache zu diesen Berichten finde ich sehr wichtig. Es interessiert aber wohl ein Großteil der Mitgliedschaft dann nicht. Ketzerisch könnte man sagen, daher sind ja auch so viele Stimmen pro Ausgliederung und pro weniger Mitbestimmung gegangen. Aber auch in den letzten Jahren leerte sich der Raum vor der Aussprache in der Regel massiv, es interessiert eben nicht viele.

Die Entlastung des Vorstandes und Aufsichtsrates stand an. Ich stimmte gegen die Entlastung des Vorstandes, diese Meinung teilten aber nicht viele Mitglieder. Ich stehe nämlich dazu, daß es mir bei allen Strukturänderungen auch um Personen geht und ich glaube, daß es Zeit wird, einen neuen Vorstand zu bestellen. Ich kann den Vorstand nicht abwählen, aber mit meiner verweigerten Entlastung mein Unmut äußern. Der Aufsichtsrat wurde nicht entlastet, auch das ein Zeichen für die Damen und Herren im Rat, vielleicht mal über einen Rücktritt nachzudenken.

Insgesamt war es eine sehr friedliche Veranstaltung. Leider wurde bei den Diskussionen zu früh der Hahn zugedreht, auf beiden Seiten wurde mir da zu viel tatkiert: Erst die jeweilige Meinung platzieren und dann die Schließung der Liste sowie die Kürzung der Redezeit zu beantragen und abzustimmen. Da hätte die gesamte Versammlung souveräner reagieren sollen. Immerhin ging es darum, die Argumente für die jeweiligen Anträge zu sammeln und zu erläutern. Peinlich, aber so ist es eben auf einer MV.

Unwürdig ist das auspfeiffen von Personen, schon bei der Nennung der Namen. Das ist asoziales Verhalten. Auch die immer wieder vorgetragenen Beschuldigungen seitens Herrn Debatin gegen Manfred Ertl wird einfach irgendwann langweilig.

Grotesk wurde es dann für mich, als in der Aussprache zu den Reformvorschlägen ein Redner den Vorstand aufforderte, selbst zu dem Thema Stellung zu nehmen. Die Meinung von Carl-Edgar Jarchow ist ja bereits bekannt, aber als Joachim Hilke dann ein (vermutlich) vorgefertigten Text vorlas, sah mir viel zu sehr nach einem abgekartertem Spiel aus. Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn der Vorstand eine andere Meinung hat als ich und würde diese gerne auch hören, aber das war ein unwürdiges Verhalten. Oliver Scheel gab zum Beispiel überhaupt keine Wahlempfehlung aus, er sagte lediglich, daß man ihn nun kennen würde und er ein verfechter des e.V. ist. Vor allem appellierte er an die Mitglieder, sich ihre Wahl genau zu überlegen und daß er jedes Ergebnis anerkennen wird. Das hatte Stil, den hatte Joachim Hilke leider nicht.

Okay, im Juni stimmen wir also ab, ob die Profifußballabteilung des HSV e.V. ausgegliedert werden soll. Nebenbei wird noch die Satzung des e.V. geändert, alles auf Basis des HSV Plus Modelles.

Ich habe großes Bauchweh bei dieser Vorstellung. Ich werde versuchen dies auf Grund der Eindrücke der Mitgliederversammlung zu erklären, woher dieses Bauchweh kommt.

Reform
Ja, allen 5 Initiativen war gemein, daß es eine Reform braucht. Die einen wollten jetzt gleich etwas in der bestehenden Struktur ändern (HSV-Reform, HSV Zukunft mit Tradition), die anderen ausgliedern (HSV Plus, Rautenherz sowie HSV21) zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Die einzelnen Modelle noch mal vorzustellen macht wenig Sinn, ist doch nur HSV Plus mit seinem Modell bestätigt worden.

Aber: Reformwille konnte ich nicht bei allen JA Stimmern erkennen. Christian Reichert appellierte vor der Abstimmung seiner Satzungsänderungen, daß diese Reformen sofort in Kraft treten und vor allem eine Ausgliederung nach HSV Plus in keinster Weise verhindern würden. Dies haben einige der reformwilligen auch anerkannt, bekamen gerade die ersten Satzungsänderungsvorschläge teilweise 60% der JA Stimmen.

Ich will also eine Reform, aber nicht die wo nicht HSV Plus drauf steht? So kann ich mir das nur erklären. Ich habe gegen HSV Plus gestimmt, aber für diese Satzungsänderungen, weil sie sofort geholfen haben? Woran liegt es also, daß man eine Reform will (HSV Plus) aber dann für eine weitere Reform (HSV-Reform) mit NEIN stimmt? Liegt es am fehlendem Plus im Namen?
Gerade während der Debatten habe ich alte tiefe Wunden gesehen, es wirkte so, als wenn jetzt endlich Rache genommen werden konnte.
Schade, hier wurden Chancen vertan den HSV noch schneller als mit einer Ausgliederung etwas handlungsfähiger zu machen.

Es geht eben nicht um Konzepte, sondern um Personen. Die, die jetzt da sind sollen weg. Bei jeder Rede von Ertl wurde dies deutlich.

Genau aus dem Grund denke ich, daß viele nicht nach den Inhalten fragen, sondern Veränderung wollen. Das ist auch in Ordnung, die will ich auch. Aber kann ich dann blind einem Konzept folgen, in dem es noch viel zu viele offene Fragen gibt?

Ja, kann man. Ich kann das nicht.

Es saß einer in einer Reihe hinter mir, der ein HSV Plus Befürworter ist und sich nicht mal die HSV Live mit den jeweiligen Konzepten durchgelesen hat. Ich glaube auch, daß dies kein Einzelfall ist.

83er
Bitte versteht mich nicht falsch, ich verehre diese Mannschaft! Ich saß damals vorm Fernseher und habe mich über das Tor von Magath gefreut. Aber als Symbolfigur für einen Umbruch finde ich sie völlig ungeeignet! Hat Horst Hrubesch nicht noch einen Job beim DFB und oft genug erwähnt, daß er diesen auch gerne behalten will? Was genau hat Thomas von Heesen die letzten Jahre gemacht? Wo war Dietmar Jakobs (ich verehre ihn so so sehr) die letzten Jahre? Was genau hat Holger Hieronymus für einen Posten im Sinn? Das sind mir viel zu viele offene Fragen, gerade was diese Unterstützer an geht. Bis auf Hieronymus kann ich mir keinen der Personen in irgendeiner Funktion beim HSV vorstellen.

Warum eine AG?
Ich gehe fest davon aus, daß die Antwort von Ernst-Otto Rieckhoff und sein Team sich bei der Ausgliederungsform mehr Gedanken gemacht haben, als das was er auf der Mitgliederversammlung zum Thema AG oder KG aA gesagt hat. Dort meinte er nämlich, daß ihm der Name sonst zu lang gewesen wäre. Wenn ich also davon ausgehe, daß es einen guten Grund für genau diese Form gibt.
Die Einflussmöglichkeiten eines externen Geldgebers bei einer KG aA sind kleiner als die bei einer AG. Ist das der Grund? Wenn nein, welcher ist es dann?

All diese Fragen lassen mich mit Bauchschmerzen zurück.

Weiterhin will ich keine Wahlempfehlung abgeben, ich möchte lediglich appelieren, genau hin zu gucken. Nur weil Hrubesch drauf steht, ist noch lange keiner drin! Die Ausgliederung ist nicht mehr rückgängig zu machen. Die Mitbestimmung fällt weg.

Wenn dies gewünscht ist, dann finde ich das sehr schade. Wenn es nur um Personen geht, dann haben wir im Verein mit der aktuellen Satzung Möglichkeiten dies zu ändern.

Wenn eine Ausgliederung notwendig sein sollte (bisher habe ich nicht ein Argument gehört, warum wir ausgliedern müssen), dann laßt uns den besten Weg finden. Und nicht einen, der externes Geld verspricht und von Europa spricht. Nichts davon kann HSV Plus garantieren.

Es ist noch Zeit bis zur nächsten Mitgliederversammlung, laßt uns sachlich und fair darüber diskutieren, ob dieser Vorschlag 75% der Stimmen erhalten sollte. Leider haben wir uns Alternativen verbaut, aber es ist noch nicht zu spät.

In diesem Sinne: Nur der HSV!

Autor: nedfuller

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