NedsBlog

Meine Sicht der Dinge

Ausgliederung, ein Gedankenspiel (Gastbeitrag)

Es passiert hier nicht so häufig, aber ich bin im Netz auf einen tollen Beitrag aufmerksam gemacht worden, den ich gerne hier veröffentliche. Geschrieben ist er von dem Twitterer @floschtar. Viel Spaß beim Lesen.

HSVplus.

Kann gutgehen. Eine Ausgliederung ist vielleicht auch wichtig und richtig. Warum HSVplus aber auch grandios scheitern kann, möchte ich in folgendem Beitrag zeigen. (In Klammern jeweils der Paragraph der entsprechenden Satzung).

Eins vorab: die Satzung der AG entspricht ungefähr der des FC Bayern. Allerdings waren dort bereits seit Jahren bewährte Kräfte am Werk, denen man das Konstrukt bedenkenlos anvertrauen konnte.

Bei uns ist das leider anders.

Ein Szenario auf Basis des Satzungsentwurfes AG HSVplus und eV

Sommer 2014:
Horst Hrubesch wird neuer Präsident des HSV eV, Uli Stein Vize (§ 18 Absatz 1). Horst ist damit automatisch Mitglied des (6-köpfigen) Aufsichtsrates der AG (§ 18 Satz 5 eV und § 7 Absatz 2 AG). Horst führt die Geschäfte des Vereins (§ 18 Satz 3), zusammen mit Uli und einem Schatzmeister. Er ist nur bei wenigen Ausnahmen an das Votum der Mitglieder gebunden (§ 18 Satz 4). Diese ergeben sich aus § 14 Satz 2. Im Wesentlichen:
– Aufgabe oder Begründung des eV an Gesellschaften
– Grundstück Norderstedt
– Satzungsänderung eV

August 2014
Horst Hrubesch entscheidet in der Hauptversammlung der AG (§ 15 AG), er ist ja alleiniger Inhaber aller Stimmanteile (Aktien) (§ 6 Satz 1 eV), welche 5 weitere Personen in den Aufsichtrat kommen sollen (§ 7 Absatz 2 Satz 2 AG). Da er zuvor gute Gespräche mit einem Schweizer Milliardär, Herr Sühne, geführt hat, der Horst davon überzeugt hat, seinen vertrauenswürdigen Bruder, ehemaliger Innenminister aus Graubünden, einzusetzen, sowie seine Frau, benennt er diese. Zudem den alten Spezl Thomas von Heesen, einen grauen Wirtschaftsprofessor und Ex-Bürgermeister Voscherau. Der Beirat des eV stimmt zu, zu wichtig das Geld aus der Schweiz. (§ 7 Absatz 2 Satz 3 AG)

Ende August 2014
Der neue Aufsichtsrat der AG bestellt Felix Magath zum Vorstandsvorsitzenden, sowie einen anerkannten Finanzexperten als Vize (§ 5 Absatz 2 AG). Herr Sühne erwirbt sodann 14,8% der Anteile an der AG (§ 4 Absatz 3 AG). Er zahlt dafür 75 Millionen EUR. Horst (als Hauptversammlung der AG) stimmt zu. Herr Sühne läßt sich das Recht einräumen, Anteile weiterzuverkaufen: da kein Verstoß gegen § 4 Absatz 3 AG vorliegt, ist dies problemlos möglich.

Winter 2015
Der neue Sportdirektor Hollerbach hat sich verzockt. Nachdem Schulden des eV zwecks Zinsreduzierung getilgt, weitere 10 Mio in den Campus investiert wurden, hat Holler die verbleibenden 55 Mio schon zum großen Teil nutzlos versenkt, nur noch 15 Mio sind übrig. Der Kauf von Gomez aus Florenz, Kuranyi aus Moskau und die Verpflichtung der Bender Zwillinge waren teuer.

April 2015
Trainer BvM tritt zurück. Er ist die ewigen Interviews aus der Schweiz leid, die ihm nahelegen, Gomez und Kuranyi müssen zusammen spielen, er habe keine Ahnung und solle doch lieber einem Könner wie Hitzfeld Platz machen. Die Mannschaft dümpelt um Platz 6, die Klatschpresse freut sich über Schminktipps der Frau Sühne.

Mai 2015
Bestandsaufnahme. Felix Magath, bisher Freund des Schweizers, setzt Sühne die Pistole auf die Brust. Entweder er soll 25 Mio nachschießen, oder man verkauft weitere 24,9 % + 1 Aktie mehr an den Erzfeind Sühnes, Günter Netzer. Der hat Sühne immer einen alten irren Affen genannt. Zugleich würde man das Stimmrecht der Ag so ändern (§ 17 Absatz 1g AG), dass Sühnes Stimmen überstimmt und damit überflüssig wären (Neufassung § 16 AG). Die Mitglieder des eV schauen staunend zu, ausrichten können sie nichts.

Juni 2015
Sühne verkauft die Hälfte seiner Anteile an Scheich Superkohle aus Katar. Der ist seit Ewigkeiten HSV Fan und legt Sühne dafür 150 Mio auf den Tisch. eV und AG bekommen davon nichts.

Juli 2015
Scheich Superkohle bietet Horst (zur Erinnerung: er ist der Anteilshaupteigner als Präsident des eV) an, das Stadion zu verkaufen (§ 17 Absatz 2 Ziffer l AG) und es zu einem Schnäppchenpreis zurück zu mieten. Er will das Stadion wegen der bevorstehenden WM in Katar seinem König widmen. Hors ist begeistert und verkauft gemäß § 2 Absatz 4 das Stadion für 120 Mio. Der HSV mietet das Stadion für 500.000 pro Monat zurück, was Felix mit dem Scheich klarmacht. Eine Zustimmung gemäß § 6 Absatz 3 AG durch den Aufsichtsrat ist nur noch Formsache, wo soll man sonst spielen?

August 2015
Unfassbar, aber wahr. Nachdem Platz 4 erreicht wurde, konnte man sich für die CL qualifizieren. Und noch toller: Cristiano Ronaldo hat eine Oma in Hamburg und seine Schwester liebt den Sohn von Scheich Superkohle. Klar, dass man da zusammenkommt. Scheich Superkohle bietet für die verbleibenden 10,2%, die praktischerweise sein Sohn Sonny übernehmen soll, nochmal 75 Mio! Der HSV bleibt Mehrheitseigner (§ 4 Abs.3 AG) und schwimmt im Geld! Da ist die Vereinbarung eines Gewinnabführungsvertrages natürlich kein Problem (§ 20 Absatz 1 AG wird geändert, § 17 Absatz 1 g machts möglich). Künftig gehen 85% aller Gewinne nach Steuern an die neu zu gründende (§ 2 Absatz 4 AG) HSV Gewinnverwendungs GmbH. Die gehört zu 75% Scheich Superreich, der eV ist netterweise mit 25% an Bord. Klar, dass die Mitglieder dem Beitritt zur GmbH zustimmen (§ 14 Satz 2 i eV). Die Gründung der GmbH und die Gewinnabführung können sie nicht verhindern. Lieber 25% als 0! Und das schöne Geld ist ja auch nicht schlecht, und Ronaldo gibts (für die 75 Mio) dazu!

Winter 2015
Herr Sühne ist leider verstorben. Seine drei Erben streiten sich heftig, wer nun die Anteile wie erwerben soll. Der Scheich ist frustriert. Seine Ölgeschäfte waren -er wusste von nichts- illegal, er muss 250 Mio an die UNO zahlen. Klar, dass die Gewinnabführungsklausel ein interessantes Kaufojekt für PIMCO, den großen Finanzdienstleister aus den USA, ist. Felix Magath hat gekündigt, sein Gehalt wollte er auf 4 Mio verdoppeln und nach Puerto Rico gehen, aber das war Horst dann doch zuviel. Der Aufsichtsrat konnte Felix nicht entlassen gemäß Satzung, aber nach § 111 AktG umgehend eine Hauptversammlung einberufen. Dort flogen die Fetzen, aber Horst setzt letztlich Felix vor die Tür.

Ein Winterabend
Regen prassselt auf das Dach von Horst Hrubeschs Auto, das vor der Katar-fahrt-da-alle-hin-Arena im Volkspark steht. Er schließt die Augen, denkt an seine Zeit in Kükels, denkt an seine Tore, an die stressige Zeit als Präsident des glorreichen Hamburger SV eV. Niemals hätte er damit gerechnet, zum Aktiengesetz Experten werden zu müssen. Die Spielchen zu spielen des von ihm selbst eingesetzten Aufsichtsrates. Der Druck der Mitglieder, die keinerlei Handhabe gegen ihn haben und ihn umso mehr angehen. Er wollte doch nur eines: im Hamburger Nebel durch das leere Volksparkstadion gehen, alleine, nach dem Derby gegen Werder, mit einem HSV Schal um den Hals.

Da klingelt das Telefon: Vorwahl 0974 ruft an. Horst seufzt.

Vielen Dank für den Text!
In diesem Sinne: Nur der HSV!

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25 Kommentare

  1. Das ist ein durchaus plausibles, wenn natürlich auch „leicht“ überspitztes Szenario, mit viel Verve und gut belegt vorgetragen. Vielen Dank dafür!

    Traurigerweise fallen mir zum Status Quo und der HSV-Reform mit den aktuellen Führungskräften noch viel schlimmere Szenarien ein. Das fängt bei Abstieg an und hört bei Insolvenz, Steuerschulden und Bauruinen auf.

    Bei deinen worst-case spielen wir ja immerhin CL, dann nehme ich wohl lieber das

    • Der Editor hat unfreundlicher weise meinen Ironieanzeiger gefressen, deshalb möchte ich den gerne noch nachreichen:

      :-)

  2. Unterhaltsamer Artikel. Leider fällt das Konstrukt schon im August 2014 zusammen, da die Entscheidung über die Mitglieder des Aufsichtsrats der Zustimmung des Beirats/Wahlausschusses des Hamburger Sport-Vereins e.V. bedarf. (§ 7 Absatz 2 Satz 2 AG). Darin sitzt neben dem Vorsitzenden des Ehrenrats und einem Delegierter der Amateure auch ein Delegierter der Supporters. König Hrubesch entscheidet also mitnichten alleine.

    • … und ja, ich glaube nicht, dass der Beirat dem zustimmen würde, nur um an das Geld zu kommen.

    • Ich glaube aber die Stimme von Hrubesch wird schon genug Gewicht haben.

      • Ja, sicherlich wird sie das. Aber ich glaube trotzdem, dass der Beirat genau auf solche Dinge sehr stark achten wird – welche Personen das Sagen im Aufsichtsrat haben. Dafür sind sie ja letzten Endes auch da, und da werden sie bestimmt die Stimme des Volkes im Ohr haben.

    • @hamburg_hsv

      Ja, das stimmt. Dieses Zustimmungserfordernis ist eine gute Sache. Der Beirat kann so theoretisch die ganz großen Knallschoten verhindern. In meinem überspitzten Beispiel hat der Beirat die Ehefrau halt durchgewunken nach dem Motto des Investors: wollt ihr mein Geld, esst mein Brot.

      Aber selbst mit Traum-AR würden die anderen aufgezeigten Probleme weiterhin möglich sein…

      Letztlich ist es so: gerade in der Anfangszeit steht und fällt HSVplus mit dem klugen Wirken des neuen Präsidenten. Macht er alles richtig, wird HSVplus ein Erfolg. Daher meine ich auch: Keine Entscheidung zu HSVplus ohne konkrete Namen.

      Könnte mir aber vorstellen, dass nach dem 19.1. sich einige Kandidaten aus der Deckung trauen. Wenn dann alles passt (Name, Konzept, obige Probleme lösen, Nachhaltigkeit), würde ich mich wohl doch auf der zweiten MV für HSVplus aussprechen.

  3. Ich glaube im Juni 2015 hat der Herr Sühne plötzlich seinen Nachnamen geändert ;)

  4. Leider hat dieses Szenario nichts mit HSV-Plus zu tun, warum dient es dann der plumpen Stimmungsmache? Neben dem schon vorhin genannten Fehler im August, ist auch der Mai 2015 in dieser Form Unfug, da ein Verkauf weiterer Anteile von einer 75%-igen Zustimmung der EV-Mitgliederversammlung abhinge.

    Aber man kann’s ja mal probieren!

    • Naja, die Sorgen sind ja durchaus begründet. Umso wichtiger ist es, weiterhin – in aller Ruhe und Sachlichkeit – deutlich zu machen, dass solche Details eben schon bedacht sind und mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht passieren können. Die vinkulierten Namensaktien mit Zustimmungspflicht spielen da sicherlich eine große Rolle; in diesem Punkt muss deutlicher verankert werden, WER über eine Namensänderung bestimmen darf, das ist leider noch nicht allzu deutlich. Aber das ist einer der Punkte, die der Vorstand nach Beauftragung ausarbeiten muss.

    • Es ist ein Szenario. Mehr nicht.
      Stimmungsmache ist es nicht.
      Es zeigt nur einen Weg auf, der mit HSV Plus gegangen werden könnte. Mehr nicht

      • Zumindest dem Punkt „Herr Sühne läßt sich das Recht einräumen, Anteile weiterzuverkaufen: da kein Verstoß gegen § 4 Absatz 3 AG vorliegt, ist dies problemlos möglich.“ muss deutlicher entgegengewirkt werden durch die Festlegung der Art der auszugebenden Aktien. Am besten auch in der Satzung der AG. Sollte sich auf der MV dazu niemand anderes äußern, werde ich das anregen.

        Inhaberaktien und auch normale Namensaktien könnten in der Tat verkauft werden.

        • Aber warum ist das jetzt noch nicht festgelegt?
          Ist niemand darauf gekommen?
          Ist es Absicht?

          Was wenn das nicht im Detail aufgeführt wird?
          Machen sich die bisherigen Berfürworter auch Gedanken darüber?

          • Da bin ich der falsche Adressat, aber ich bin sicher, wir werden nicht die ersten sein, die das thematisiert haben. Entsprechend sollten wir spätestens vor der Abstimmung eine Antwort bekommen. (Unter anderem) In diesem Punkt bin ich auch nicht wirklich bereit, die Änderungen durchzuwinken.

          • Zu diesem Punkt sehe ich auch noch Handlungsbedarf. M.E. sollte der wortlaut des § 4 Abs. 2 AG durch eine Bestimmung ersetzt werden, die ausdrücklich die vinkulierte Namensaktie als alleinige Form der HSV-Aktie festlegt.

            Zusammen mit § 4 Abs. 4 AG, in dem die Übertragung der Anteile geregelt ist, wäre das Problem, soweit ich das sehe, dann wasserdicht gelöst.

          • Verschwörungstheorien sind hier nicht nötig. Das Thema hat HSV Plus genauso geplant – mit vinkulierten Namensaktien:

            Zitat:
            EOR: Hinzu kommt – ich bin doch gar nicht handlungsbefugt. Ich kann aber eines sicherstellen, weil dies Teil des Konzeptes ist. Es werden nur sogenannte „vinkulierte Namensaktien“ an strategische Partner ausgegeben, bei denen der Verein im Falle eines Verkaufs/Weiterverkaufs zustimmen muss.

            HSVArena: Wer im Verein darf das dann entscheiden ? Die Mitgliedschaft ?

            EOR: Nein, die Hauptversammlung des e.V., also das Präsidium
            Zitat Ende.

  5. Kann mir jemand die letzte Zeile dechiffrieren?

  6. Ja also im Prinzip ist wurde beschrieben, wie es ist, wenn HSV Plus nicht kommt. Wenn HSV Plus so scheitert, wie beschrieben, dann ist es im Endeffekt nicht schlimmer als das was kommt, wenn HSV Plus nicht gewählt wird.

  7. @Dale
    Das Interview war nach dem Erscheinen dieses Artikels, daher war es bis dahin nicht bekannt.

    Den Link habe ich entfernt, ich werde auf diese Seite nicht verlinken.

  8. Hamburg_hsv liegt richtig, 0974 ist die Vorwahl Katars.