NedsBlog

Meine Sicht der Dinge

Das Märchen von den (Ex)Profis

Es war einmal ein Fußballverein, der wurde von Gremien regiert.

Es gab Gremien, die sich um die Finanzen kümmerten; Gremien, die das Marketing voran brachten; Gremien die sich im sportlichen Bereich wohl fühlten und ein Gremium, welches all das kontrolliert.

Jeder war zufrieden mit der Arbeit in diesem Kontrollgremium bis zu dem Zeitpunkt, an dem entweder Informationen nach Außen gelangen oder der sportliche sowie davon abhängig der finanzielle Erfolg ausblieb. Und da der Fisch ja bekanntlich vom Kopf stinkt (ausser er kommt aus der Weser, dann stinkt er immer!) MUSS der Aufsichtsrat Schuld sein. Und vor allem immer alles falsch machen. Gerade bei Spielerverpflichtungen kann es doch nicht sein, daß …

STOP! Halt! Wartet mal.

Bevor man ein Gremium verurteilt, daß es seine Aufgaben nicht richtig wahr nimmt, sollte man erstmal wissen, was genau ein Aufsichtsrat so macht. Ich zitiere mal aus dem Gesetzesbuch

§ 111 AktG (Aufgaben und Rechte des Aufsichtsrats)
(1) Der Aufsichtsrat hat die Geschäftsführung zu überwachen.
(2) Der Aufsichtsrat kann die Bücher und Schriften der Gesellschaft sowie die Vermögensgegenstände, namentlich die Gesellschaftskasse und die Bestände an Wertpapieren und Waren, einsehen und prüfen. Er kann damit auch einzelne Mitglieder oder für bestimmte Aufgaben besondere Sachverständige beauftragen. Er erteilt dem Abschlußprüfer den Prüfungsauftrag für den Jahres- und den Konzernabschluß gemäß § 290 des Handelsgesetzbuchs.
(3) Der Aufsichtsrat hat eine Hauptversammlung einzuberufen, wenn das Wohl der Gesellschaft es fordert. Für den Beschluß genügt die einfache Mehrheit.
(4) Maßnahmen der Geschäftsführung können dem Aufsichtsrat nicht übertragen werden. Die Satzung oder der Aufsichtsrat hat jedoch zu bestimmen, daß bestimmte Arten von Geschäften nur mit seiner Zustimmung vorgenommen werden dürfen. Verweigert der Aufsichtsrat seine Zustimmung, so kann der Vorstand verlangen, daß die Hauptversammlung über die Zustimmung beschließt. Der Beschluß, durch den die Hauptversammlung zustimmt, bedarf einer Mehrheit, die mindestens drei Viertel der abgegebenen Stimmen umfaßt. Die Satzung kann weder eine andere Mehrheit noch weitere Erfordernisse bestimmen.
(5) Der Aufsichtsrat von Gesellschaften, die börsennotiert sind oder der Mitbestimmung unterliegen, legt für den Frauenanteil im Aufsichtsrat und im Vorstand Zielgrößen fest. Liegt der Frauenanteil bei Festlegung der Zielgrößen unter 30 Prozent, so dürfen die Zielgrößen den jeweils erreichten Anteil nicht mehr unterschreiten. Gleichzeitig sind Fristen zur Erreichung der Zielgrößen festzulegen. Die Fristen dürfen jeweils nicht länger als fünf Jahre sein. Soweit für den Aufsichtsrat bereits eine Quote nach § 96 Absatz 2 gilt, sind die Festlegungen nur für den Vorstand vorzunehmen.
(6) Die Aufsichtsratsmitglieder können ihre Aufgaben nicht durch andere wahrnehmen lassen.

(bei einer GmbH sieht das ähnlich aus, zumal auf diesen Paragraphen verwiesen wird.

Aha! Dort steht etwas von Kontrolle. Überwachung. Am wichtigsten ist mir der Artikel Absatz 4: „Maßnahmen der Geschäftsführung können dem Aufsichtsrat nicht übertragen werden.“ In meinem absolut laienhaften Juristendeutsch würde ich das so interpretieren, daß das operative Geschäft NICHT vom Aufsichtsrat durchgeführt werden darf.

Aber gut, es scheint ja sehr wichtig zu sein, im oberstem Kontrollgremium Fußballsachverstand vertreten zu haben. Wollen wir mal ein Blick in die 20 Mannschaften der ersten Liga schauen (Ingolstadt und Darmstadt habe ich einfach mal dazu genommen).

Verein / KG AR Bemerkungen
FC Bayern München AG 0/9  
VfL Wolfsburg-Fußball GmbH 0/9  
Borussia VfL 1900 Mönchengladbach GmbH 0/7  
Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH 0/6 Gesellschafterausschuß
Fußball-Club Augsburg 1907 GmbH & Co. KGaA 0/3  
FC Schalke 04 e.V. 0/10  
Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA 0/9  
TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH 0/5 Beirat
Eintracht Frankfurt Fußball AG 0/9  
SV Werder Bremen GmbH & Co. KGaA 1/6 Marco Bode
1. FSV Mainz 05 kein Aufsichtsrat
1. FC Köln GmbH & Co. KGaA 0/6  
Hannover 96 GmbH & Co. KGaA 0/5?  
VfB Stuttgart 0/5 (Hansi Müller ist raus seit 2015)
Hertha BSC GmbH & Co KGaA 0/6  
HSV Fußball AG 1/6 Peter Nogly
SC Freiburg e.V. 0/9  
SC Paderborn 07 e.V. 0/5  
FC Ingolstadt 04 Fußball GmbH 0/6  
SV Darmstadt 98 e.V. 0/6 Verwaltungsrat

Die zweite Spalte ist wichtig. Die erste Zahl ist die Anzahl ehemaliger Fußballer im AR, die zweite die Gesamtanzahl. Bis auf Hannover kann man die Namen sehr einfach und gut finden. Bei der TSG Hoffenheim habe ich auf die Hilfe von Twitter in Form von @bimbeshausen zurück gegriffen.
Von um und bei 121 Aufsichtsratsmitgliedern habe ich gerade mal 2 ehemalige Fußballer gefunden. Woher kommt es denn, daß gerade da, wo es um Kontrolle und Überwachung des Vorstandes geht, Fußballsachverstand gefordert wird? Was genau soll denn das bringen? Ich habe bisher noch von niemanden gehört, was genau Fußballsachverstand im Aufsichtsrat bringen soll.

Für mich klingt es nach Opium für das Volk. Die da oben tun was, die haben verstanden. Aber Transfers werden dem Aufsichtsrat je nach Satzung ja gar nicht vorher zur Einsicht vorgelegt. Und selbst wenn es einen entsprechenden Paragraphen in der Satzung gibt sollte man doch bevor man Kritik übt erstmal fragen, wie häufig eine Entscheidung von einem AR Mitglied abgewiesen wurden? Aber diese Fragen stellt mal wieder keiner.

Mein Fazit: Lasst euch nicht von populistischen Aktionen blenden. Ich gehe zum Beispiel bei Marco Bode davon aus, daß er nicht nur im Aufsichtsrat sitzt, weil er mal gegen den Ball getreten hat. Lieber mal ein paar Fragen mehr stellen und sich nicht ruhig stellen lassen.

Liebe Schalker, lasst euch nicht auf so ein Kokolores wie einen Beirat ein, es wäre ein Wahnsinn, wenn drei ehemalige verdiente Spieler bzw. Trainer darüber entscheiden, welche Fußballer heute verpflichtet werden sollen. Und die 400.000 300.000 Euro Regel ist bestimmt nicht zur Schikane eingeführt worden. Es gab wohl aus Aktionen der Vergangenheit die Notwendigkeit dies mit in die Satzung aufzunehmen. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat überlebt selbst eine 1 Euro Regel.

Lasst euch nicht für dumm verkaufen!

In diesem Sinne.

Autor: nedfuller

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