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Meine Sicht der Dinge

18mal18 heute

Damals, 2009, fanden sich einige Blogger zusammen um ein Idee in die Tat umzusetzen: 18 18 Jährige Spieler bei den (damals) 18 Bundesligisten wollten wir beobachten. Das ganze sollte ein Langzeitprojekt werden, auf der Homepage sieht man aber, daß 2010 Ende war.

Auslöser dieses Beitrags war ein Tweet vom geschätzen @heinzkamke
testroet

Danach stellte ich mir die Frage, was machen die 12 (18 haben wir nie zusammen bekommen, es fehlte an der Zeit, der eigene Blog, das eigene Leben, ihr kennt das) Spieler von damals heute?

Schauen wir uns die Liste von damals mal an (Name, damaliger Verein):

Lennart Hartmann, Hertha BSC
Mario Götze, Borussia Dortmund
Hanno Behrens, HSV
Lewis Holtby, Schalke 04
Sebastian Rudy, VfB Stuttgart
Thomas Müller, FC Bayern München
Marcel Titsch-Rivero, Eintracht Frankfurt
Bienvenue Basala-Mazana, 1. FC Köln
Pascal Testroet, SV ihrwisstschonwer
Richard Sukuta-Pasu, Bayer 04 Leverkusen
Marco Terazzino, TSG Hoffenheim
Fabian Johnson, VfL Wolfsburg

Das waren unsere 12 Spieler, die um die 18 Jahre alt waren und ihren ersten Profi Vertrag in der Tasche hatten. Wir wollten beschreiben, wie sich die Spieler entwickeln, werden sie es zum Bundesligaprof schaffen? Vielleicht sogar Nationalspieler werden?

Von den Spielern sind tatsächlich vier dabei, die Nationalspieler in der A Mannschaft ihres Landes geworden sind. Die Hälfte der Spieler haben ein Verein und Spielzeit in der höchsten Spielklasse (5 x Bundesliga, 1 x Premiere League) gefunden. Ein Spieler hat einen Vertrag in der 2. Liga, drei in der 3. Liga und 2 in den Regionalligen.

Keine schlechte Ausbeute finde ich.

Wo spielen die Spieler heute?

Lennart Hartmann (22), Berliner AK 07 (Regionalliga Nordost)
2011 wechselte er von Hertha BSC zu Alemannia Aachen. Bis dahin hatte er 3 Bundesligaspiele mit insgesamt 126 Minuten im defensivem Mittelfeld gespielt. Der Abstieg war etwas größer, spielte er dort lediglich 8 Spiele mit der 2. Mannschaft in der damaligen NRW-Liga, da es wohl für die erste Mannschaft nicht gereicht hat.
Es zog ihn dann wieder zurück nach Berlin. Mit dem SV Babelsberg 03 bestritt er in 2 Saisons 29 Spiele in der 3. Liga.
Heute ist er in der Regionalliga Nordost unterwegs. Berlin ist und bleibt seine fußballerische Heimat, spielt er jetzt beim Berliner AK 07.

Er spielt weiterhin Fußball, ist aber nicht mehr in einer Profiliga.

Mario Götze (21), FC Bayern München, Nationalspieler
goetze
Ich glaube über die Entwicklung von Mario Götze muß ich nicht mehr schreiben. Leistungsträger im Verein und der Nationalmannschaft und erst 21 Jahre jung.

Hanno Behrens (23), Darmstadt 98 (3. Liga)
Ich hatte Hanno Behrens damals gewählt, weil er sich nicht unbedingt anbot. Er erfüllte die „Norm“ nicht ganz, weil er bereits 19 war. Mich interessierte, warum er damals beim HSV ein Profivertrag erhalten hat. Ich habe es sogar geschafft ein Interview per Email mit ihm zu führen.
Mein „Verdacht“, daß er lediglich ein Vertrag bekommen hat, damit ein vom Verein ausgebildeter Spieler im Profikader steht, erfüllte sich mit diesem Interview.
Beim HSV spielte er darüber hinaus keine Rolle. Heute spielt er in der 3. Liga bei Darmstadt 98 im Schnitt 79 Minuten (48 Spiele). Er wurde lediglich 4 mal aus und 14 mal eingewechselt, heißt also, daß er häufig in der Startelf auflaufen darf.

Es war aber nicht nur Hanno Behrens, der aus diesem Jahrgang keine Rolle beim HSV spielt. Sören Bertram spielt in der 3. Liga (Hallescher FC), Henrik Dettmann weiterhin in der U23, Christian Groß bufft in der Regionalliga West bei den Sportfreunden Lotte, Kai-Fabian Schulz spielt beim Goslaer FC (RL Nord) und Miroslav Stepanek bei Eintracht Norderstedt (RL Nord).

Geschafft haben es aus diesem Kader tatsächlich nur Änis Ben-Hatira (Hertha BSC) und Eric Maxim Choupo-Moting (Mainz 05).

Hanno Behrens hat den Sprung in den Profifußball geschafft. Es ist die 3. Liga, ja, aber es ist Profifußball.

Lewis Holtby (23), Tottenham Hotspurs, Nationalspieler
Er nahm den Weg der Ausleihe. Schalke 04 wollte ihm Spielpraxis im Herrenfußball bieten, also spielte er eine Saison beim VfL Bochum in der 2. Liga (Saison 09/10, 14 Spiele, 2 Tore und 2 Torvorlagen) und eine bei Mainz 05 in der 1. Liga (Saison 10/11, 32 Spiele, 6 Tore und 10 Torvorlagen).
Für Schalke 04 spielte er sich dann in die Nationalmannschaft. Anderthalb Bundesliga Saisons (11/12 & 12/13, 55 Spiele, 10 Tore, 11 Torvorlagen), Auftritte in der Europaleague (11 Spiele, 1 Tor, 1 Torvorlage) und der Champions League (6 Spiele, 3 Torvorlagen) brachten Ihn in das Buch des Jogi.
Mittlerweile spielt in der Premier League bei den Spurs. In 18 Spiele (kein Tor, 2 Vorlagen) hat er sich aber nicht sehr empfohlen, so daß er gefühlt im Moment wieder weiter weg von der Nationalmannschaft ist. Liegt aber auch an der Konkurrenz auf der Position.

Er hat mehrere Schritte in der Karriere nach vorne gemacht. Im Moment stockt es ein wenig, aber er ist noch jung.

Sebastian Rudy (23), TSG Hoffenheim
15 Bundesligaspiele bestritt er für seinen Ausbildungsverein. Dann lockte die große weite Welt und er wechselte nach Sinsheim. Ein Schritt, den man verstehen kann, da er am Ende in der Planung des Trainers äußerst selten eine Rolle spielte. Er stand häufig nicht im Kader, obwohl er nicht verletzt war.
Seit dem Wechsel hat er 90 Bundesligaspiele auf dem Buckel.
In dieser Saison war er bisher 6 mal in der Startelf.

Mir ist er bei der TSG nicht weiter aufgefallen und ich denke von der A Nationalmannschaft ist er sehr weit entfernt. Dennoch kann man seine Karriere als gelungen bezeichnen,

Thomas Müller (24), FC Bayern München, Nationalspieler
Auch hier sollte die Karriere des Spielers bekannt sein.

Was ich immer wieder bemerkenswert finde: Der FC Bayern kann sich Spieler in der Preiskategorie Robben, Ribery, Martinez etc. leisten und bringt dennoch einen Spieler aus der eigenen Jugend raus. Er ist noch so jung und hat schon so viel gewonnen. Bisher gibt es auch kein Anzeichen, daß er nachläßt.

Marcel Titsch-Rivero (24), 1. FC Heidenheim (3. Liga)
Er schaffte es zweimal in der Bundesliga auf dem Platz zu stehen. In der Saison 09/10 7 Minuten und 10/11 gerade mal 2, weil er direkt nach der Einwechslung eine Rote Karte erhielt. Ob der Wechsel nach Heidenheim daraus ein Resultat war, mag ich nicht einschätzen. Zum Beginn der letzten Saison wechselte er nach Heidenheim. Auch dort spielt er eher unregelmässig von Beginn an.

Er ist Profifußballer geblieben, ob es für höhere Ligen nicht reicht, wird die Zeit zeigen. Sein jetziger Verein ist ein Favorit auf den Aufstieg in die 2. Liga. Das wäre ein weiterer Schritt für ihn.

Bienvenue Basala-Mazana (21), 1. FC Köln II (Regionalliga West)
Bei der Recherche zu ihm bin ich etwas verwundert gewesen, steht da, daß er in der Europa League 3 Spiele gemacht hat. Nun steht der 1. FC Köln gerade wieder sehr gut in der 2. Liga dar, aber der internationale Wettbewerb ist doch noch etwas weiter weg.
Die Auflösung: Er spielte in Österreich in der 1. Liga beim SV Ried. Und dort durfte er internationale Luft schnuppern (immerhin 192 Minuten in 3 Spielen). Ansonsten bestritt er 20 Spiele in der österreichischen Bundesliga. Mittlerweile ist er wieder in der 2. Mannschaft seines Heimatvereins und darf dort in der RL West auch nur selten spielen. Bisher sind es erst 87 Minuten.

Bisher hat es im Profifußball noch nicht für ihn gereicht. Er ist aber mit 21 Jahren immer noch sehr jung. Schafft er aber selbst in der 2. Liga nicht den Sprung in die erste Mannschaft, wird die Karriere wohl nicht für viel mehr als jetzt reichen.

Pascal Testroet (23), VfL Osnabrück (3. Liga)
Der Auslöser des Artikels (siehe Tweet oben).
119 Spiele in der 3. Liga. In seinem Alter eine sehr gute Zahl, wenn der Weg nach oben nicht unbedingt erreichbar ist. Von seinem Ausbildungsverein ging er zuerst nach Offenbach (21 Spiele, 7 Tore, 4 Vorlagen), wechselte dann nach Bielefeld (32 Spiele, 5 Tore, 5 Vorlagen) um in dieser Saison in Osnabrück zu landen (7 Spiele, 2 Tore).

Wir können jetzt gerne anfangen darüber zu diskutieren, ob er „Karriere“ gemacht hat. Ich meine ja, die 3. Liga ist immerhin ein Profiliga. Er verdient sein Geld damit, Fußball zu spielen. Das können so viele Fußballer in Deutschland nicht von sich behaupten.
Ob es noch mal für mehr reicht? Mit 23 Jahren wird es dann mal langsam Zeit.

Richard Sukuta-Pasu (23), VfL Bochum (2. Liga)
Nach seiner Ausbildung bei Bayer hat er nun bereits schon für 4 Vereine gespielt: In dem Verein, der da spielt, wo die U Bahn Station St. Pauli ist, für Kaiserslautern, Sturm Graz und jetzt in Bochum.
Er hat 37 Spiele in der 1. Bundesliga bestritten, 1 Tor gegen Freiburg geschossen und 4 Torvorlagen gegeben. In der 2. Bundesliga stehen 26 Spiele auf seinem Konto und lediglich 3 Tore.
Etwas besser zurecht gefunden hat er sich bei Sturm Graz in der österreichischen Bundesliga, dort schoß er in 31 Spielen 12 Tore und gab 2 Torvorlagen.

War es das jetzt? Schwierig, die vielen Wechsel deuten darauf hin, daß er sich nicht überall durchsetzen konnte. Österreich war seine beste Zeit, aber will man da Fußball spielen?

Marco Terrazzino (22), SC Freiburg
19 Bundesligaspiele bestritt er für seinen Ausbildungsverein. Er kam dabei auf lediglich eine Torvorlage. Als Stürmer ist das kein gutes Zeugnis.
Er wechselte zur Saison 10/11 zum Karlsruher SC um in der 2. Bundesliga Fuß zu fassen. In 40 Spielen kam er auf 3 Tore und 5 Vorlagen. Auch dies sind keine guten Zahlen, dennoch hat er eben bereits 59 Profispiele auf dem Buckel. Qualität scheint also da zu sein.
Nach dem Stopp beim KSC wurde er vom SC Freiburg verpflichtet. Er schaffte 6 Bundesligaspiele (1 Tor, 1 Vorlage) und 10 Spiele in der RL West für die 2. Mannschaft (10 Spiele, 4 Tore und 2 Vorlagen).

Aktuell ist er verletzt und daher in dieser Saison noch ohne Einsatz. In Freiburg scheint es ja Platz für junge Spieler zu geben, mal schauen, ob er nach seiner Verletzung wieder in der 1. Mannschaft eingesetzt wird.

Fabian Johnson (25), TSG Hoffenheim, Nationalspieler
Der älteste aus der Reihe der 12 Spieler. Er sammelte schon sehr früh Erfahrungen im Profifußball, 1860 ließ ihn in der 2. Bundesliga Saison 2008/2009 33 mal spielen (2 Tore, 6 Torvorlagen). Er wechselte dann zum VfL Wolfsburg. In der 1. Bundesliga blieb er aber ohne viele Einsätze, kam er auf lediglich 16 Spiele (1 Tor, 1 Vorlage) in 2 Saisons. Mit dem Wechsel zur TSG Hoffenheim stieg dann aber die Anzahl seiner Pflichtspiele. Mittlerweile hat er 66 Erstligaspiele bestritten (5 Tore, 12 Vorlagen). Er wurde durch seine Leistungen mit einer Einladung in die Nationalmannschaft der USA belohnt. In 9 Einsätzen von Beginn an half er mit, daß sich seine Nationalmannschaft für die WM 2014 in Brasilien qualifizierte.

Die Auszeichnung als Nationalspieler zeigt, daß er sich gut entwickelt hat. Auch im Verein spielt er eine wichtige Rolle.

Fazit

Wären wir alle am Ball geblieben, hätten wir unterschiedliche Entwicklungen unser 18mal18 Spieler beobachten können. Einige Karrieren haben sich rasant entwickelt (Götze, Müller) andere hingegegen blieben in ihrer Entwicklung stehen (Hartmann, Behrens). Ich denke schon, daß man diese 12 Spieler als Hinweis darauf nehmen kann, wie sich Profikarrieren im deutschen Fußball darstellen. Nicht jeder gute Spieler schafft den Sprung aus den Jugendmannschaften in den Profifußball.

Spannend war es, nach 3 Jahren mal wieder auf die 12 Jungs von damals zu schauen.

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16 Kommentare

  1. Super! Danke, dass Du das so schnell und so umfassend in die Tat umgesetzt hast.
    Ich hab neulich mal überlegt, wie viele mir noch einfallen. Bei neun war Schluss, darunter aber mit Sören Bertram auch ein falscher.

  2. Tolle Übersicht!

    Kleine Anmerkung zu Titsch-Rivero: Der Platzverweis hatte damit nichts zu tun, umstrittene Notbremse als die Eintracht am letzten Spieltag in Dortmund unter Daum sowieso schon am Boden lag und abgestiegen war.

    Hatte immer wieder massive Verletzungsprobleme, vor allem mit dem Zeh, und war dann ein Klassiker: Zu gut für die Zweite Mannschaft in der Regionalliga, nicht gut genug für die Profimannschaft – weder in Liga 1 noch in Liga 2.

  3. Sehr interessant und Danke für die Mühe. War mir vollkommen entfallen, dass Ihr damals Götze und Müller auf dem Schirm hattet. Nette (Zufalls?) Treffer: So einen wie Götze gibt es ja nun mal nur alle Jubeljahre mal hochkommend. Und ganz repräsentativ finde ich es nicht. Es werden doch sicher auch mal welche dabei sein, die gar keinen Sprung schaffen, Motivation oder Gesundheit verlieren etc. Wie auch immer, ist keine Kritik, nur eine Anmerkung. Danke für den Service hier.

    • Gerade beim HSV finde ich die Anzahl der Spieler, die es nicht geschaffen haben, repräsentativ. Zumal Ben-Hatira und Choupo-Mouting es ja nicht beim HSV geschafft haben.

      Reus wäre da noch zu nennen, die sind vom Jahrgang her nicht so weit auseinander. Haben wir also einen Jahrhunder Jubeljahrgang?

      • wenn Du jetzt noch Tunay Torun, Sidney Sam und Heu Min Son dazu nimmst sieht es Anzahlmäß gar nicht so übel aus.

        Die mangelde Wertschätzung für junge Spieler ist etwas anderes.

        • Ich glaube weder Torun, Sam noch Son waren Profis die einen Vertrag bekommen haben, damit die Homegrown Bedingung erfüllt wird. Daher habe ich sie nicht in der Liste aufgeführt.

  4. @Trainer Baade:
    Bei Götze war es tatsächlich so, dass er für die meisten Beteiligten noch ein unbeschriebenes Blatt war. Müller und auch Holtby waren indes schon bekannter.

    Ein paar von denen, „die gar keinen Sprung schaffen“, tauchen in einem Artikel auf, den ich damals im Rahmen von 18mal18 veröffentlicht hatte und der sich mit den Gewinnern der Fritz-Walter-Medaillen jener Jahre befasste. Auch so ein Text, den ich mal wieder neu auflegen wollte …

  5. Zwei kurze Anmerkungen zur Auswahl von Müller und Götze damals. Den Götze hat sich Arne – großer BVB Fan – damals ganz bewusst ausgesucht, weil er ihm in den diversen Jugendmannschaften des BVB aufgefallen war. Der Knabe war damals zarte 17 und es war alles andere als klar, dass der so abgeht. Er war 2009 immer mal wieder verletzt und stand so an der Kante von der A-Jugend zum Herrenbereich.

    Müller und Badstuber standen damals relativ überraschend im van Gaalschen Profikader. Ich habe mir Müller (obwohl nicht wirklich Bayern Auskenner) ausgesucht, weil es der „Unauffälligere“ war. Bei Badstuber ging man damals ein bisschen davon aus, dass der schon auf seine Spielzeit kommt, die Bayern waren in der Abwehr nicht so breit besetzt. Bei Müller schien das absolut aussichtslos. Man ging davon aus, dass in dem Moment wo sowohl Robben als auch Ribery fit sind, er wieder brav in die zweite Reihe geht. Tja. So kann es kommen.

    (Ist aber lustig, sich das mit einem Abstand von 4 Jahren, noch einmal durchzulesen. 18mal18 ist ja in dem schrägen 2009er Urlayout noch online)

  6. Schöne Sache!
    Heute müsste man fast 16/17 Jährige auswählen.